Nichtinvasive Beatmung / NIV

Martin und Philipp sprechen über nichtinvasive Beatmung. Sie diskutieren Indikationen, Kontraindikationen, die wichtigsten Einstellung und Tipps für die Anwendung.

Shownotes:

Nichtinvasive Beatmung

 

Indikationen:

respiratorische Insuffizienz bei sicheren Atemwegen

Beispiel:

  • obstruktive Atemwegserkrankungen (COPD/Asthma)
  • Lungenödem (z.B. kardial)
  • muskuläre Schwäche (z.B. Muskeldystrophie)

ggf. zur palliativen Unterstützung

 

weiterhin eignet sich NIV zur Präoxygenierung vor einer Intubation (DSI)

Mehr Infos: https://emcrit.org/dsi/

 

Kontraindikationen:

  • ungesicherte Atemwege z.B.:
    • anhaltendes Erbrechen
    • GCS<8 (bei Hyperkapnie unter Überwachung NIV probieren)
  • schwere Mittelgesichtsverletzungen
  • Apnoe
  • undrainierter Pneumothorax

 

Mechanismus:

über eine Maske wird eine Atemunterstützung durch Überdruckbeatmung angeboten.

Der Patient kann hierbei durch eigene Atemzüge einen Unterstützungsdruck triggern (ASB Druck – Assisted Spontaneous Breathing), weiterhin wird durch das Aufrechterhalten eines Atemwegsdruckes (PEEP – positive endexpiratory Pressure) Lungengewebe offen gehalten. Über das Beatmungsgerät kann weiterhin der fraktionierte Sauerstoffanteil der Einatemluft geregelt werden (FiO2)

 

folgende Beatmungsparameter können grundsätzlich daher eingestellt werden:

  • Sauerstoffanteil (21%-100%) – in der Akutphase immer mit 100% beginnen und zügig auf einen spO2 von 95-100% titrieren
  • PEEP – starten z.B. mit 5mbar
  • ASB Druck – starten z.B. mit 10mbar
  • Trigger – Flow, den der Patient aufbringen muss um einen Atemzug zu erhalten (normal ca. 2L/min)

 

Tipps zur Anwendung:

  • ruhige Atmosphäre schaffen und Patienten ausreichend über Ablauf informieren
  • Analgosedierung erwägen (Bsp.: Morphin)
  • Zunächst Maske durch Patienten halten lassen, erst schrittweise an Patienten fixieren

 

Anwendungsbeispiele:

exazerbierte COPD

diese Patienten haben meist durch die chronische Atemanstrengung keine ausreichende Kraft mehr um genug Ventilation zu erreichen – CO2 sammelt sich im Körper und eine Hyperkapnie ist die Folge.

NIV soll diesen Patienten die Atemarbeit erleichtern, es wird ein ausreichender ASB benötigt.

Beispieleinstellungen des Beatmungsgerätes:

PEEP 5mbar, ASB 15mbar, FiO2 nach SpO2 titrieren (Ziel: 95%)

 

kardiales Lungenödem:

durch die Herzinsuffizienz sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge an. Die verbleibende Lungenoberfläche reicht nicht aus, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. NIV Beatmung soll möglichst viele Lungenbereiche an der Beatmung beteiligen – der PEEP öffnet Atelektasen. Weiterhin kann durch den PEEP der intrathorakale Druck gesteigert werden. Der venöse Rückstrom zum Herz sinkt, das rechte Herz wird entlastet und kann effizienter arbeiten.

Beispieleinstellungen des Beatmungsgerätes:

PEEP 10mbar, ASB 5-10mbar, FiO2 nach SpO2 titrieren (Ziel >95%)

 

Cave:

  • die vorgestellten Anwendungsbeispiele treten selten isoliert auf, die Beatmungseinstellungen müssen immer individuell an die Bedürfnisse des Patienten angepasst werden
  • Agitierte Patienten benötigen unter Umständen tiefere Sedierung, Ketamin kann hier bei lange erhaltenen Schutzreflexen und Atemantrieb geeignet sein
  • NIV Beatmung hat geräteabhängig einen hohen O2-Verbrauch, insbesondere Im Rettungsdienst und auf Transporten muss dieser Aspekt eingeplant werden

 

 

 

Quellen:

https://emcrit.org/emcrit/niv/

 

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

2 Kommentare zu „Nichtinvasive Beatmung / NIV“

  1. Guten Abend!
    Einmal vorweg- ich finde Eure Seite mit den Beiträgen sehr gut, ziemlich hilfreich und wahnsinnig interessant.
    Zu dem Video mit NIV würden mir als Kontraindikationen noch Lungenfibrose und Lungenemphysem einfallen, wenn mich nicht alles täuscht.
    Lieben Gruß
    Carolin

    1. Hi Carolin! Vielen Dank!
      Eine absolute Kontraindikation sind beide Erkrankungen meines Wissens nach nicht. Viele Patienten mit COPD haben ein begeitendes Lungenemphysem – hier ist eine NIV-Beatmung oft deutlich lungenprotektiver als invasive Beatmung via Tubus (wenn dies noch möglich ist) und vermeidet eventuell lange Beatmungs- und prolongierte Weaningphasen.
      Auch bei Lungenfibrose fällt mir in der Akutsituation mit respiratorischer Insuffizienz kein harter Grund gegen NIV ein. Vor welcher Komplikation hast du Sorgen, wenn du diese Patienten mit NIV beatmest?

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