Geburtshilfe im Rettungsdienst – Anamnese und Untersuchung

Wenn man zur „Geburt“ alarmiert wird, hat man häufig ein ungutes Bauchgefühl. Wann vor Ort bleiben – und falls man den Transport antritt… wie? Welche Notfälle können uns begegnen und was tun wir dann?

Philipp interviewt eine echte Expertin – Steffi ist Hebamme und erklärt, was beim Geburtsnotfall wirklich wichtig ist.

Was meint ihr?

 

Was ist bei einer Schwangeren primär wichtig?

Anamnese:

akut:

  • Wehentätigkeit?
    • Beginn und Frequenz
  • Blasensprung? (Zeitpunkt)
    • Farbe des Fruchtwassers
      • Normal klar
      • mögliche Warnzeichen bei farblicher Veränderung
  • Blutung?

 

Schwangerschaftsanamnese:

  • wievielte Schwangerschaftswoche
  • erstes Kind oder zweit/drittes Kind (genannt Erstgravida, Zweitgravida…)
  • Einling/Mehrling
  • Lage des Kindes :
    • Normlage: Schädellage „SL“
    • Besondere Lagen:
      • Steißlage/Beckenendlage „BEL“
        • „Po zu erst“ – vaginale Geburt möglich aber ggf. erschwert
      • Querlage „QL“
        • vaginale Geburt unmöglich
  • bekannte Komplikationen in der Schwangerschaft
    • Plazenta praevia (Plazenta liegt zum Teil/komplett vor Muttermund)
    • Besonderheiten des Kindes (Retardierungen/Erkrankungen)
  • besonders bei Komplikationen:
    • ist die Mutter schon in einem Kreißsaal bekannt / „angemeldet“

Mutterpass aushändigen lassen!

Körperliche Untersuchung:

  • „ABC“ Check / Vitalwerte (insb. Herzfrequenz/Blutdruck)
  • bei Blutung: wieviel Blutverlust?
  • nach Blasensprung visuelle Kontrolle vaginal:
    • „kurzer Blick nach dem Kopf“
    • Anzeichen für Nabelschnurvorfall
  • vaginale Untersuchung: 
    • für Ungeübte (auch Notärzte) nicht sinnvoll

 

Wann in die Klinik, wann vor Ort?

  • Indikation für Geburt vor Ort
    • Kopf geboren bzw. Kopf zwischen Schamlippen sichtbar
    • sonst immer in die Klinik transportieren
  • Transportbesonderheiten:
    • bei Wehentätigkeit und normalem Geburtstermin Lagerung nach Patientenwunsch
    • unbedingt liegend transportieren („kein Schritt mehr gehen“):
      • bei Blasensprung wenn Kopf nicht im Becken fest sitzt
      • bei Nabelschnurvorfall (Beckenhochlagerung!)
      • Blutung

 

Allgemein: Intimsphäre wahren!

Autor: gophilipp

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

6 Kommentare zu „Geburtshilfe im Rettungsdienst – Anamnese und Untersuchung“

  1. Hi!
    Schöne Zusammenfassung.eine Frage ist noch entscheidend bei Blasensprung-die Frau fragen,ob der Kopf „fest“ ist-d.h.das Köpfchen im Becken steckt:
    Ja-die Patientin kann laufen
    Nein-Gefahr eines möglichen nabelschnurvorfalles-streng liegend transportieren.
    Sonst-sehr schönes Format!
    Grüße,

    Matti Mühlhäusler

    1. Bei Minute 10:50 haben wir diesen wichtigen Punkt angesprochen.
      Aber du hast natürlich vollkommen recht, das ist ein sehr wichtiger Punkt. Und im Zweifelsfall gilt nach Blasensprung immer liegend transportieren!
      Praktisch ist bei termingerechter Geburt und Wehenbeginn meist ein Absenken des Kopfes in das Becken geschehen – insbesondere bei unerwartetem Blasensprung ohne Wegentätigkeit bedingt das Risiko einer Nabelschnurkompression aber immer besondere Vorsicht.
      Danke für den wichtigen Hinweis.

  2. Super Format!! Hätte aber noch eine Frage: Bei Nabelschnurvorfall sicherlich auch Tokolyse, oder? Fenoterol oder was anderes? Dosierung?

    1. Korrekt! Zur Tokolyse eignet sich Fenoterol 0,5-3 Mikrogram pro Minute. Im Worst-Case möglich: Reproterol 0,09mg auf 10ml langsam oder 5-10mg Salbutamol vernebeln.
      Aber bis auf Fenoterol ist alles Off-Label und nur eine Notlösung.

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