Beat the Stress, Fool! – Handeln in Stresssituationen

Was hat der berühmte Mr. T aus dem A-Team mit Stress zu tun? Philipp erklärt euch eine geniale Taktik, um mit dramatischen Situationen umzugehen – BEAT THE STRESS, FOOL!

Beat the Stress Fool steht für  Breath, Talk, See, Focus  – vier Taktiken bzw. Techniken für die akute Stresssituation.

Notfallmedizin ist geprägt von schnellen Entscheidungen und weitreichenden Konsequenzen. Stress ist ein ständiger Wegbegleiter und muss rechtzeitig erkannt und bekämpft werden.

Doch warum entsteht Stress eigentlich? 

Stress beschreibt die Dysbalance zwischen (erlebten) Ressourcen und geforderten Aufgaben.

Dabei gelten folgende Kriterien einer Situation laut Eberspächer als besonders stressauslösend:

  • hohe Bedeutsamkeit
  • nicht-Wiederholbarkeit
  • Konsequenzen bei Misserfolg
  • hohe Anforderungen
  • Zeitdruck
  • ungewisser Ausgang

All diese Kriterien sind Wegbegleiter des Notfallmediziners und lassen bereits erkennen, dass wir einem hohen Risiko durch Stress ausgesetzt sind.

Stress kann dabei akut über uns hereinbrechen, etwa mit der Ankunft eines hoch instabilen Patienten. Ebenso kann aber auch im Laufe einer Schicht die Belastung zunehmend kummulieren und sich so das Stresslevel unbewusst immer weiter erhöhen.

Die Effekte sind dabei gleich, kognitive Kapazität wird gebunden, die Entscheidungsfähigkeit wird eingeschränkt und motorische Fähigkeiten beeinträchtigt.

Der Umgang mit Stress ist daher essentiell für die Handlungsfähigkeit in zeitkritischen Situationen.

Von Lauria wurden im Mnemonik „Beat the Stress, Fool!“ vier Möglichkeiten der Stressbewältigung festgehalten. (http://dx.doi.org/10.1016/j.annemergmed.2017.03.018)

Breathing

„Tactical Breathing“ sollte allen Fans von Scott Weingart wohl bekannt sein – gemeint ist die kontrollierte Atmung. Atmung ist als einziges Vegetativum bewusst steuerbar und kann durch bewusste Steuerung unsere Sympatikusaktivität senken.

Zusammenfassen kann man diese Technik schnell:

je 4 Sekunden Einatmen, Luft anhalten, Ausatmen, Luftanhalten… insgesamt pro Zyklus (also 16 Sekunden) Atemübung die idealerweise 3 Mal wiederholt werden sollte.

Hierdurch können wir uns in Stresssituationen bewusst bremsen und wieder auf einen gesunden Stresspegel herabregulieren.

Talk

Selbstgespräche führt jeder. Durch Selbstgespräche können wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Reaktion auf Situationen bewusst beeinflussen. Hierbei sollten einige Grundregeln beachtet werden:

  • sei kurz und präzise
  • sei freundlich
  • sei positiv
  • wiederhole deine Leitsätze

Ein geeigneter Satz wäre beispielsweise: „Ich bleibe ruhig, denn ich kann das!“. Das kann man z.B. auf der Toilette machen, wenn ein kritischer Patient angekündigt ist oder auch auf Anfahrt.

Diese triviale Methode sollte unbedingt eingeübt werden. Nur wenn unsere Leitsätze häufig wiederholt werden, entwickeln sie eine entsprechende Wirksamkeit.

See

Mentale Mindmaps können uns helfen, Situationen im Kopf durchzuspielen. Hierbei kann man von einer Form „mentaler Simulation“ sprechen.

Um diese Übung effektiv zu gestallten sollten nicht nur fachliche Faktoren im Kopf durchgespielt werden. Insbesondere müssen die eigenen Gefühle, die Örtlichkeit und Orientierung im Raum, eigene Bewegungen, das eigene Blickfeld, und motorischen Handlungen bewusst visualisiert werden. Durch häufige Wiederholung können wir auf diese Weise auch seltene Situationen im Kopf erleben und uns auf den Ernstfall vorbereiten.

Focus

Triggerworte können uns im Stress helfen, wieder auf den richtigen Pfad zu gelangen. Ideal geeignet ist beispielsweise: „ABCDE“

Sind wir in einer Situation überfordert und wissen nicht mehr weiter, können wir uns durch ein Trigger-Wort wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Einen Schritt aus der Situation in die Beobachterrolle können wir kurzfristig unser Tun hinterfragen und uns neu strukturieren.

Fazit

Zusammengefasst sind die vier vorgestellten Techniken wertvolle Tools zum Umgang mit Stress. Diese müssen jedoch eingeübt und gepflegt werden.

Abschließend kann die Relevanz eines achtsamen Umgangs mit unseren Ressourcen nicht ausreichend betont werden. Stress begleitet uns und kann gesundheitlichen Schaden hervorrufen.

Daher nicht zögern und mit dem Training beginnen! „Beat the Stress, Fool!“

Lust auf mehr? First10EM hat genial die Auswirkungen von Stress und Lösungsmöglichkeiten zusammengefasst.

Auch die Kollegen von wAINS-world haben dieses Thema schon mal besprochen.

Orginalarbeit von Lauria et al:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28460863

Autor: Philipp Gotthardt

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme, Intensivstation und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

2 Kommentare zu „Beat the Stress, Fool! – Handeln in Stresssituationen“

  1. Hey! Vielen Dank für das tolle Video.
    er.
    Ich sag das ja nicht oft, aber ich habe tatsächlich was gelernt. Und das muss schon was heißen. Denn in den weiten Welten YouTubes gibt es zwar sehr viele Videos, aber nur eine geringe Anzahl mit „echtem Content“. Ich will gar nicht wissen, wie viel Stunden an Videos es gibt mit irgendwelchen banalen Challenges oder Pranks… langweiliger Content scheint zu funktionieren. Bei mir auf jeden Fall nicht! Und mit diesem Video habe ich tatsächlich mal eins gefunden, was mir gefällt, da es
    1) sehr hilfreiche und neue Informationen für mich bereit hält
    2) es zu meinem stressigen Leben sehr gut passt
    3) übersichtlich und gut verständlich präsentiert wurde.

    Stressige Situationen haben wir alle… einige haben sie mal mehr andere hingegen mal weniger. Ich gehöre zu der Kategorie, die eigentlich recht oft unter Stress steht. Und damit ich aber nicht gesundheitliche Schäden davon nehme, versuche ich immer wenn ich merke, dass es zu viel wird, Maßnahmen zu ergreifen, die den Stress lindern. Vom klassischen Spaziergang, über die Einnahmen von solchen biologischen Tropfen, bis hin zu einer Yoga-Einheit. Oder ein grüner Tee mit meinen Lieblingskeksen kann auch schon viel bewirken!

    Man muss nur wissen wie! Und heute habe ich vier neue Techniken gelernt. Großes Dankeschön!

    LG 🙂 Miri.

    1. Hi Miri,
      vielen vielen Dank für das tolle Feedback! Darüber freuen wir uns total!
      Insbesondere freue ich (Philipp) mich sehr dass das Thema Stress und Stressbewältigung immer mehr wahrgenommen wird.
      Ich glaube, dass Stress so ziemlich alles tötet: die Freude an der Arbeit, unsere Patienten durch stressbedingte Fehler und uns langfristig durch die körperlichen Folgen. Deswegen ist mir das Thema eine Herzensangelegenheit und ich freue mich gerade bei diesem Thema total über deine motivierenden Zeilen.

      Viele Grüße, Philipp von Nerdfallmedizin

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