Schockiger Patient? -Push Dose Pressors!

„Der hat einen schlechten Druck!“
Ein Satz, der sowohl auf der Straße im Rettungsdienst, als auch in der Notaufnahme und auf Intensivstationen häufiger fällt. Aber was tun um den Blutdruck schnell zu stabilisieren? Ein mögliches Konzept: „Push Dose Pressors“ oder „Katecholamine aus der Hand“.

 

Einleitung – wo hat man Blutdruckprobleme?

  • Schock (Hämorrhagisch, Obstruktiv, Distributiv, Kardiogen)
  • aber auch iatrogen im Rahmen von Narkose/Intubation!
  • Cave: „PERI-ARREST Situation“

Ok, was also dagegen tun?

  • Direkte Ursache bekämpfen (z.b. Pneu beheben, Blutung stillen, Infarkt mit Herzkatheter behandeln, Rhythmusstörung mit Strom)
  • Medikamentöse Therapie: Volumengabe und/oder Katecholamine

Katecholamine?

  • Für die Notfallmedizin wichtigste: Noradrenalin, Adrenalin (=Epinephrin)
  • Noradrenalin: Primär periphere Vasokonstriktion
  • Adrenalin: Zudem Herzkraftverstärkend, Herzfrequenzsteigernd… erhöht auch den myokardialen Sauerstoffverbrauch.
  • CAVE: Dosierung wichtig – mit 1mg Suprarenin kann man jemanden umbringen!

Das Konzept „Push Dose Pressors“

  • …ist ein Konzept, dass es schon lange gibt – man benötigt aber eine konkrete Idee über Dosierung und Wirkung – und diese muss im Team kommuniziert werden.
  • Noradrenalin: 1mg Noradrenalin auf 100ml NaCl – dann 10ml abziehen (= 0,1mg = 100 µg), dann mililiterweise geben (pro Milliliter sind das dann 10µg oder 0,01mg)
  • Suprarenin: Selbe Dosierung.
  • Wichtig: Wirkdauer nur einige (ca. 5-10) Minuten!

Was ist mit „Akrinor“ (also Theodrenalin 10mg und Cafedrin 200mg in 2ml)?

  • Auch gut, nicht überall vorhanden, teurer.
  • Beim manifesten Schock nicht so effektiv wie das konstant steigerbare Adrenalin

Und über längere Dauer?

  • Perfusorgabe über guten periphervenösen oder intraossären Zugang
    • „Fünfer Dosierung“ Noradrenalin: 5mg/50ml mit 5ml/h starten (= 0,5mg/h)
    • „Kleine Dosierung“ bei geringen Dosierungen:
      • Suprarenin: 1mg auf 50ml, dann mit 25ml/h starten (= 0,5mg/h)
      • Noradrenalin: 1mg auf 50ml, dann mit (15-)25ml/h starten (= (0,3) – 0,5mg/h)

Was sollte unbedingt beachtet werden?

  • Gute Nadel (sichere Lage, guter Fluss)
  • Trägerlösung = laufende Infusion
  • Dosierungen gut beachten und Spritzen beschriften
  • Ursache suchen! (persistierende Blutung? Rhythmusstörung? Pneu?…)
  • Blutdruck engmaschig kontrollieren
Gute Zusammenfassung und Literaturangaben:

Autor: gophilipp

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

4 Kommentare zu „Schockiger Patient? -Push Dose Pressors!“

  1. Liebes Team, einen tollen Blog habt ihr. Ich lese und sehe viel von Euch. Als NICHTärztliches Personal bin ich alleine auf der Strasse allerdings an SOPs, SAAs und lokalen Protokollen gebunden. Daher wäre der Hinweis gut ob Eure Tips mit den Empfehlungen (z.B. Leitlinien, DBRD Algorhythmen usw.) konform gehen. Ansonsten macht bitte weiter so. Vielen Dank!

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    1. Guten Morgen, vielen Dank für das Lob – deine Rückmeldung freut uns sehr.
      Unsere Beiträge orientieren sich immer an bestehenden Leitlinien bzw. der aktuellen Literatur. Natürlich können wir keine Garantie geben, dass unsere Aussagen immer richtig sind (nach dem Motto „alle Angaben ohne Gewähr“) – aber wir geben unser Bestes um inhaltlich korrekt, aber auch praxisnah zu sein.
      Im Rettungsdienst ist ja besonders für die NFS auch immer die lokale SOP oder Freigabe durch den ÄLRD maßgeblich. Diese gilt es natürlich zu beachten.
      Zudem versuchen wir die klinische und prähospitale Notfallmedizin gleichmäßig abzudecken. Daher können gewisse Themen mal interessanter und mal nicht so relevant für den Rettungsdienst sein. Aber es ist sicher auch spannend, wie die weitere Versorgung in der Notaufnahme aussieht.

      Wir freuen uns jedenfalls immer über Feedback und Rückmeldungen und natürlich Fragen 🙂

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  2. Erstmal großes Lob für Eure tolle Website und die auf den Punkt gebrachten Themen.
    Weiter so….
    Einen Beitrag zu Dopamin und Dobutamin in der Notfallmedizin (einfaches Kochrezept) wäre sicher auch sehr interessant.

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    1. Vielen Dank! Da hast du sicher recht! Insbesondere präklinisch ist Dobutamin aber sicherlich kein unkompliziertes Medikament, insbesondere ohne ausreichenden Volumenstatus drohen Tachyarrythmien. Im Vergleich zu Noradrenalin ist es also noch etwas differenzierter einzusetzen, deswegen haben wir es erstmal aus unseren Videos rausgehalten – aber was nicht ist, kann ja noch werden 😉
      Viele Grüße!

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