Sepsis in der Präklinik

Die Sepsis ist eine systemische Infektion und dazugehörige Inflammationsreaktion.
Die Mortalität ist hoch, besonders bei verzögerter Behandlung (Myokardinfarkt: <10% Mortalität; Sepsis: >20%!!).
Kausale Behandlung sind zeitkritische antiinfektive Therapie (z.b. Antibiotika) bzw. Fokussanierung. Mehr Infos zum klinischen Management der Sepsis gibts in Part II.
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Sepsis in der Präklinik:

1.) Daran denken „Könnte das eine Sepsis sein?“

  • Unklare AZ-Minderung
  • Unklare Kollaps / Schwäche bei Hochrisiko-Patienten (z.b. Immunosupression)
  • V.a. Infektion + qSOFA positiv
  • ATEMFREQUENZ!
  • Fieber, aber auch bei unkl. Hypothermie
  • „Mottling“ inbes. an den Knien

2.) Therapieren 

  • AB-Stabilisierung (Sauerstoff, Beatmung)
  • C: Bei Schocksymptomatik: Volumengabe über großlumige Zugänge; frühzeitig an Katecholamine denken, Beginn mit Noradrenalin (Push-Dose im Notfall, dann via Perfusor) – siehe auch unser Katecholamin-Video.
  • Keine guten Daten für Antibiose in der Präklinik (Ausnahme: Bakt. Meningitis)

3.) Vorverständigen

  • Klinik mit (erfahrener) Intensivmedizin / CT / Labor

qSOFA Score

Infektion + AF≥22 / RR≤100mmHg / Vigilanzänderung (2 oder 3 Punkte: V.a. Sepsis)
RR ≤90 trotz Volumengabe = Septischer Schock
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Quellen:

 

Und nochmals herzlichen Dank an die Nürnberger Herzhilfe e.V. (Fritz Böhrer Stipendium)! http://www.herzhilfe-nuernberg.de

Autor: gophilipp

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

7 Kommentare zu „Sepsis in der Präklinik“

    1. Hi Torsten, vielen Dank!
      Ich bin da etwas sketisch, denn es ist oft schwierig eine extra (!) Abnahme präklinisch noch dazu mit optimaler Hygiene hinzukriegen. Dazu kommt – wo rein mit dem Blut? Blutkulturfläschchen sind selten „draußen“ dabei. Die wenigen Male wo präklinisch z.b. in einer 20ml Spritze etwas abgenommen wurde, war das in der Klinik schon total verklumpt / geronnen.
      Ich glaube also, aus praktischen Gründen macht es nicht so viel Sinn (hängt aber vom System ab!). Ausnahme: Weiterverlegung z.b. von kleiner ZNA ins Zentrum – da wäre es toll wenn vor Ort schon BKs (und andere Kulturen) abgenommen und eine kalkulierte antiinfektive Therapie begonnen worden ist. Da macht es dann evtl. Sinn, die BKs mitzugeben, damit die gleich im Zentrums-Labor bebrütet werden.

  1. Kurz und prägnant, toll! Bei der Volumengabe im Rahmen einer präklinischen Versorgung mit V. A. Sepsis: würdet ihr NaChl 0,9 % verwenden?

    1. Hi, vielen Dank! Wir würden Vollelektrolytlösungen wie Ringer Acetat etc. verwenden. NaCl Lösung hat beim Nierengesunden und kurzzeitiger Anwendung sicher kaum Nachteile und ist in besser als kein Volumen.

  2. Danke für euren Beitrag zu diesem wichtigen Thema.
    In der RETTUNGSDIENST 12/2017 wird das Thema Sepsis auch behandelt. Dort wird geschrieben: Zitat“Gerade der qSOFA sei eigentlich für die frühe Erkennung der besonders bedrohten Patienten ungeeignet, weil er zwar weniger oft falschen Alarm gebe, dafür aber weniger Patienten identifiziere.
    Wie sind da Eure Erfahrungen?

    1. Hallo Alex,
      es gibt viel (und berechtigte) Kritik an qSOFA. Gerade für den Rettungsdienst frage ich mich aber, was die Autoren von dem genannten Artikel stattdessen vorschlagen? SIRS funktioniert ja korrekt nur mit Laborwerten…

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