Schädelhirntrauma in der Präklinik

Schädelhirntrauma – was geht da eigentlich in unseren Köpfen vor? Wir haben einen Notfallmediziner, der ganz nebenbei auch Neurochirurg ist, vor die Nerdfallmedizin-Kamera geholt und ihn nach seiner Expertenmeinung gefragt.

 

Kurzzusammenfassung (ausführliche Shownotes folgen mit Teil 2 des Videos):

  • An Schädelhirntrauma DENKEN!
  • Die meisten Anisokorien sind angeboren oder Folge von OPs / Eingriffen.
  • Patienten, die GCS ≤8 haben, sollten intubiert werden – Sicherung des Atemweges und Stabilisierung des Patienten ist wichtiger, als eine etwaige Untersuchung in der Klinik.
  • Bei akuter Neurologie ohne Trauma ist eine eindeutige Vielzahl ischämischer Natur und keine Blutung. Diese Patienten sollten in eine Stroke-Unit transportiert werden.
  • Bei V.a. (traumatisches) Schädelhirn-Trauma sollte eine Klinik mit hoher Versorgungskapazität inkl. Neurochirurgie angefahren werden (wenn vertretbar).
  • HWS-Immobilisation bei hochgradigem Verdacht auf HWS-Verletzung oder auffälliger Klinik (neurologisches Defizit etc.)
  • Blutdruckmanagement bei SHT: MAP >60 sollte angestrebt werden, aber insbes. beim massiv instabilen, blutenden Polytrauma oft nicht sinnvoll machbar – nicht erzwingen!
  • Bei V.a. Stroke / Blutung (nichttraumatisch): Auch deutlich erhöhten RR tolerieren; Senkung erst ab 220mmHg vorsichtig (10-20%).

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

3 Kommentare zu „Schädelhirntrauma in der Präklinik“

  1. Hallo zusammen
    Vielen Dank für die Informationen zu Themenkreis Schädel-Hirn-Trauma und neurologische Defizite. Die Kernaussagen sind dem Grunde nach bereits seit etlicher Zeit Grundlage notfallmedizinischen präklinischen Handelns.

    Zwei nicht unwesentliche Punkte sehe ich – nicht im Interview, aber in der täglichen Praxis – als kritisch an:
    A. Der moderne Rettungsdienst des 21. Jahrhunderts sollte eigentlich derart organisiert und ausgebildet sein, dass ein „Zwischenstopp“ zu einer sog. Stabilisierung nicht mehr nötig ist. Das ärztliche sowie nichtärztliche Personal braucht Ressourcen und Ausbildung zu jeglicher spezifischer Versorgung und direkter Zuweisung zur geeigneten Facheinrichtung.

    B. Zum Thema Immonilisation der HWS ist zwischenzeitlich eindeutig klar, dass einerseits ein Stifnek allein niemals die HWS in ausreichender Form immobilisiert, sondern stets andere Hilfsmittel wie die „In-Line-Methode“ manuell und/ oder Headblocks/ Vakuummatratze benötigt werden. Andererseits ist das Risiko hoch, dass ein HWS-Stützkragen eine ohnehin grenzwertige kranielle Blutversorgung zusätzlich stark vermindern kann. Gerade dann, wenn auf der anderen Seite der Gefässe eine supraglottische Atemwegshilfe Verwendung findet…

    Schön wäre es, wenn wirklich eindeutige und einfache Methoden zur verbindlichen Lehrmeinung in globaler Hinsicht erlassen würden. Ich erinnere mich ungern an das Geschrei im panisch überforderten Schockraum einer aufnehmenden Klinik, bei dem präklinisch suffizient versorgte stabile Patienten innerhalb von Sekunden in labile Verhältnisse geschmettert werden…

    LG Andreas Hoffmann

    1. Hallo Andreas,

      stimme mit allen Anmerkungen prinzipiell überein. Natürlich wird das Rad im Rahmen der Versorgungen des genannten Patientengutes nicht neu erfunden – viel mehr ging es mir darum zu verdeutlichen, dass die bekanten Grundlagen (verhältnismäßig) einfach sind. Aus der täglichen Praxis heraus muss man aber leider konstatieren, dass sich daraus überhaupt nicht ableiten lässt, dass diese dann auch angewendet werden.
      ad A) Ja, das ist zu wünschen, aber so lange wir weder einheitliche Aussagen zu Ausbildung und Kompetenzen haben, wird eine normierende Zwischeninstanz in der Traige unausweichlich, ja gerade notwendig sein. Natürlich obliegt es jeder Klinik dies so effizient und komptent wie möglich zu gestalten.
      ad B) Auch hier stimme ich prinzipiell überein, ich muss nur auch sagen, dass es leider häufig bereits an der einfachen „HWS-Immobilisation“ scheitert… Ferner: Bei dem isolierten Verletzungsmuster einer instabilen HWS-Fraktur ist ein richtig angepasster (!) und anliegender „Stifneck“ ausreichend. Dies lässt sich nur präklinisch bei ggf. weiteren spinalen Frakturen nicht beurteilen, insofern stimmer ich überein, dass dann mit den von Dir genannten weiteren Hilfsmitteln gearbeitet werden muss… Ein letzter Punkt: Die adäquate Anpassung ist nicht zu verwechseln mit einem Strangulations-artigen Anbringen des Stifnecks -somit lässt sich aus meiner Sicht und Erfahrung der angesprochene venöse Rückstrom erhalten.
      Beste Grüße
      Markus Holling

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