Schädelhirntrauma in der Notaufnahme

Im zweiten Teil unseres Videos zum Thema Schädelhirntrauma geht es um die Erstversorgung in der Klinik. Welches Bild? Welche Medikation? Und: Wie war das mit Oberkörper-Hochlagerung und Hyperventilation?

Allgemein:

  • primärer Hirnschaden
    • Gewebe, das durch Trauma irreversibel zerstört wurde, kann also nicht behoben/behandelt werden
  • sekundärer Hirnschaden
    • Gewebe, das sich um das primäre Schadensareal durch Inflammation, Hypoxie etc. ausbildet
    • durch eine optimale Behandlung kann der sekundäre Hirnschaden reduziert werden

 

Behandlungsprinzipien:

  • Anstreben von „Hömöostase“
    • Normoxigenierung (spO2 >95%)
    • Normokapnie
    • Normotonie (MAP über 60mmHg bzw. syst. RR über 90mmHg)
    • Normothermie
  • Intubation bei GCS ≤8
    • prinzipiell viele „Narkoserezepte“ möglich
    • wichtig ist das Vermeiden jeder (auch kurz andauernder) Hypotonie und Hypoxie
  • Hirndruckmanagement
    • Optimierung des venösen Abflusses des Kopfes
      • Oberkörperhochlagerung (ca. 30 Grad)
      • Stiff-Neck abnehmen, wenn nicht mehr notwendig
    • Mannitolgabe
    • permissive Hypokapnie (fraglich und nur kurzzeitige Rescue Strategie)
      • Hyperventilation zur Überbrückung bei akutem Hirndruck
  • zeitig CT des Schädels
    • Diskussion mit Neurochirurgie bezüglich weiterer operativer Versorgung
  • Körperliche/neurologische Untersuchung
    • sollte nicht die Stabilisierung verzögern
    • Pupillen / GCS / grobe Neurologie beurteilen
      • Vorbefund erfragen, wenn möglich
      • im Verlauf reevaluieren!

 

Wichtige Punkte:

  • „Time is Brain“ – der Patient profitiert von einer schnellen Versorgung
  • SHT gehört in ein Zentrum mit Neurochirurgie!

 

Quellen:

S3 Leitlinie Polytrauma

Leitlinie SHT Versorgung

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

3 Kommentare zu „Schädelhirntrauma in der Notaufnahme“

  1. Zuerst einmal Danke für die tollen Videos.Ich habe mal gelernt bei hypertentiv entgleisten Patientien mit Hirndruck soll man den MAP um nicht mehr als 20% senken.Ist das noch so aktuell?

    1. Hey,
      die Blutdrucksenkung um maximal 20% bei einem RRsyst über 220mmHg bezieht sich auf das nichttraumatische unklare cerebrale Geschehen (DD Ischämie/Blutung).
      Bei Schädelhirntrauma sollte Normotension angestrebt werden (keinesfalls Hypotension). Der systolische Zielblutdruck wird dabei immer wieder diskutiert und sollte hochnormal liegen (ca. 140mmHg).
      Viele Grüße

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