REBOA – Was ist das und warum braucht man das?

Die „resuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta“ (REBOA) wurde schon in diversen Beiträgen von uns thematisiert. Jetzt ist es endlich mal Zeit für ein Video zu diesem Thema. Wir haben Prof. Dr. Erik Popp mit Fragen gelöchert!

(8.6.2019 23:05 Video wurde insgesamt 2x neu hochgeladen, Youtube hatte seltsame Fehler ausgegeben)

Was?

Das REBOA Verfahren bedeutet, dass ein Katheter über eine der Leistenarterien eingeführt und in der Aorta vorgeschoben wird. Der an der Spitze des Katheters befindliche Ballons kann dann entfaltet werden und verschließt die Aorta je nach Bedarf komplett oder partiell. Hierdurch werden die herznäheren Gefäßabschnitte (insb. Gehirn und Koronarien) besser durchblutet und eine Blutung distal des Ballons temporär reduziert.

Über das Verfahren kann also bei kritischen Blutungen in Becken oder Abdomen sowie bei distalen Aortenverletzungen Zeit gewonnen werden, um ein Überleben bis zur chirurgischen Versorgung zu ermöglichen.

Die Position des Ballons in der Aorta wird in drei Zonen eingeteilt:

  • Zone I: Abgang der linken A. subclavia bis zum Truncus coeliacus
  • Zone II: Trunkus coeliacus bis Abgang der Nierenarterien (hier sollte der Ballon nie liegen!)
  • Zone III: distal der Nierenarterien
Abbildung aus: Schneider, N., Küßner, T., Weilbacher, F. et al. Notfall Rettungsmed (2019) 22: 87. https://doi.org/10.1007/s10049-018-0475-y

Je nach vermutetem Ort der Blutung kann der Ballon in Zone I für Blutungen in den Bauchraum oder Zone III für kritische Blutungen der Unteren Extremität und des Beckens platziert werden.

Wann?

Mögliche Indikationen für REBOA:

  • Rupturiertes Aortenaneurysma
  • stumpfes Bauch-/Beckentrauma
  • V.a. Blutung aus Aorta oder nachgeschaltetem Gefäß
  • Hochrasanztrauma
  • komplexe Beckenfrakturen mit massiver Blutung
  • Stich- oder Schussverletzungen mit vermuteter Gefäßverletzung

Grundvoraussetzung für REBOA ist der schwere Schock bzw. die kritische Blutung. Insbesondere bei nicht komprimierbaren Blutungen nach stumpfen oder penetrierenden Verletzungen im Bereich des Abdomens oder Beckens wahrscheinlich machen sollte REBOA in Betracht gezogen werden.

Für einfache Blutungen bei stabilen Patienten ist dieses Verfahren aufgrund der Invasivität und möglichen Komplikationen ungeeignet.

Wie?

Um den Ballonkatheter zu platzieren muss zuerst ein geeigneter Zugang über die Leiste geschaffen werden. Hierfür sollte die Leistenarterie punktiert werden und eine Schleuse über Seldinger Technik eingebracht werden. Bei schwierigen Gefäßverhältnissen kann eine chirurgische Präparation („cut down“) der Leistengefäße den Gefäßzugang ermöglichen.

Für das Einbringen der derzeit üblichen Katheter werden große Schleusen mit 12 French benötigt. Um derart große Schleusen einzubringen kann ein Zwischenschritt über eine kleinere (z.B. 5 French) Schleuse notwendig werden.

Nach Einbringen der Schleuse kann der Ballonkatheter vorgeschoben werden.

Die Platzierung des Ballons sollte unter optimalen Bedingungen unter Durchleuchtung z.B. mit C-Bogen erfolgen. Da dies in Notfallsituationen oft nicht möglich ist, ist eine Abschätzung der Distanzen zwischen anatomische Landmarken notwendig. Für Zone I sollte vor Intervention die Distanz zwischen Xiphoid und Leiste und für Zone III die Distanz zwischen Leiste und Bauchnabel abgemessen werden und so die notwendige Einführtiefe bestimmt werden. (Quelle)

Nach Platzierung des Ballons sollte dieser mit Kochsalzlösung (optimal unter Hinzugabe von etwas Kontrastmittel zur späteren Darstellbarkeit) entsprechend der jeweiligen Herstellerangaben geblockt werden. Hierbei sollte keine gewaltsame „Überblockung“ erfolgen, um keine Gefäßverletzung/-ruptur zu provozieren. Bei ausreichender Blockung sollten keine Leistenpulse mehr tastbar sein und ein sprunghafter Blutdruckanstieg in der oberen Extremität messbar sein.

Komplikationen:

Natürlich ist die REBOA Technik nur eine intermittierende Versorgungsmöglichkeit und sollte so kurz wie möglich durchgeführt werden. Distal des Ballons treten abhängig von der Anlagedauer Organischämien auf, ein Reperfusionssyndrom kann nach Entfernen des Ballons drohen.

Weitere Komplikationen ergeben sich anlagebedingt. Einerseits kann es zu Gefäßverletzungen und Aorteneinrissen kommen, der Katheter kann im ungünstigen Fall beim Vorschieben in einen abdominellen Gefäßabgang „abbiegen“ und dann bei Ballonfüllung eine Gefäßruptur hervorrufen.

Quellen:

Autor: gophilipp

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

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