Nerdwoche: Atemwegssicherung bei Reanimation

Die Atemwegssicherung bei Reanimation ist ein echt heißes Thema.. wir haben nach Diskussionen mit Experten unsere bisherige Denkweise nochmal kritisch geprüft..

Die Diskussion um den Stellenwert des Endotrachealtubus bei der Reanimation ist ein Dauerthema der Notfallmedizin.

Tatsächlich empfehlen wir Nerdfallmediziner meist den primären Einsatz einer supraglottischen Atemwegshilfe (SGA).

Grund hierfür ist vorallem die hohe Dynamik und die vielen parallelen Aufgaben, die in den ersten Minuten einer Reanimation abgearbeitet werden müssen. Aus unserer Sicht ist die SGA in diesem Rahmen schnell und sicher, dem Team bleiben mehr Ressourcen für die anderen Maßnahmen. Was dann aber einmal liegt und funktioniert kann doch auch bis ROSC belassen werden, oder?

Das dieses Vorgehen verbreitet ist, spiegelt sich auch in den Ergebnissen der nachfolgenden Studie wieder. Wirklich lesenswert ist die Studie aber, weil Sie aktuelle Literatur zu der Thematik sehr schön zusammenfasst. Auch wir mussten wieder kritisch unsere Empfehlung hinterfragen.

Auch wenn der Einsatz der SGA durch die aktuellen Leitlinien gestützt wird, sprechen neuere Studien für eine Überlegenheit der endotrachealen Intubation (ETI) gegenüber der Verwendung von SGA in der Behandlung von Patienten nach prähospitalem Kreislaufstillstand (OHCA).

Zwar kamen Park et al. zu dem Ergebnis, dass die Verwendung von SGA gegenüber ETI bei Patienten nach OHCA nach CPR >15 min mit besseren 28 Tages Überleben einhergeht, die Mehrzahl der aktuell vorliegenden Studien sprechen aber für ein besseres Outcome nach Intubation im Vergleich zur SGA bzw. zeigen keinen relevanten Unterschied. Allerdings werden in diesen Studien oft alle SGAs (iGel/LT/Kombitubus) über einen Kamm geschert.

Vorteil der SGA ist sicherlich die schnelle Anwendung durch Rettungsdienstpersonal, Nachteil ist aber wohl die oft unterschätzte Aspiration.

Sulzgruber et al. zeigten dass Patienten nach OHCA mit präklinisch reiner Versorgung durch Larynxtubus ein schlechteres „Outcome“ aufweisen als Patienten die entweder mit einer Masken‑/Beutelbeatmung oder endotracheal intubiert beatmet werden, es sei denn, dass noch vor ROSC von Larynxtubus auf einen Endotrachealtubus gewechselt wird.

Eine geniale Erklärung und Analyse für mögliche Ursachen der Vorteile durch ETI werden hier gezeigt.

Wir wollen mit der Studie kein definitives pro/contra Statement zur Atemwegssicherung unter Reanimation abgeben. Uns ist aber wieder gezeigt worden, dass die eigene Sichtweise immer wieder hinterfragt werden muss und wir freuen uns an dieser Stelle sehr über die spannenden und hilfreichen Diskussionen mit euch.

Autor: gophilipp

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

3 Kommentare zu „Nerdwoche: Atemwegssicherung bei Reanimation“

    1. Hi Florian,
      danke für dein Feedback – Airways-2 ist natürlich eine tolle Studie und spricht gegen die Unterlegenheit der SGA zur ETI.
      Allerdings wird auch keine Überlegenheit nachgewiesen und insgesamt haben wir vermutlich in Deutschland mit arztbesetzten Rettungsmitteln eine andere Situation.
      Hier eine schöne Zusammenfassung zu Airways-2: https://news-papers.eu/airways-2-studie
      Hier die erähnten Studien aus den letzten 5-6 Jahren:
      https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/2048872617731894
      https://www.ajemjournal.com/article/S0735-6757(15)00819-0/fulltext
      https://www.jem-journal.com/article/S0736-4679(12)00247-8/fulltext
      https://www.resuscitationjournal.com/article/S0300-9572(12)00270-5/fulltext
      https://www.resuscitationjournal.com/article/S0300-9572(14)00093-8/fulltext

      Wobei unser Post der Woche nicht falsch zu verstehen ist – wir sind eigentlich immer Verfechter der primären SGA gewesen und sind vorallem auch durch spannende Diskussionen auf Facebook etc. zum Nachdenken angeregt worden.
      Persönlich bin ich in meiner Praxis jetzt nach abgeschlossener Hs/Ts Diagnostik bei gut laufender Reanimation nun schneller beim Tubus.
      Das Thema wird spannend bleiben und durch die sehr heterogene Ausbildung der Notärzte im Rahmen der Atemwegssicherung und dem deutschen Rettungsdienstsystem werden Vergleiche und allgemeine Rückschlüsse aber sicher immer sehr schwierig bleiben.
      Viele Grüße

      1. Hallo,
        danke – wie immer in der Medizin, gibt es auch Studien die keinen Vorteil der Intubation zeigen:
        JAMA 2018 – BMV vs. Intubation https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5838565/
        JAMA 2018 PART Studie – Laryngeal tube vs. Intubation https://news-papers.eu/die-part-studie-larynxtubus
        Die S1 Leitlinie präklinisches Atemwegsmanagement hat dies alles sehr gut zusammengefasst und gibt gute Empfehlungen.
        https://dasfoam.org/2019/05/11/kritische-betrachtung-s1-leitlinie-praehospitales-atemwegsmanagement/

        Persönlich ist für mich aber der Transport ins KH unter CPR eine Indikation zur Intubation – auch da ich eine längere Liegedauer vom Larynxtubus aufgrund möglicher Komplikationen vermeiden möchte.
        Hier kann ich Dir aber zustimmen „…jetzt nach abgeschlossener Hs/Ts Diagnostik bei gut laufender Reanimation nun schneller beim Tubus.“ ….. wenn alles gut läuft und die Grundaufgaben abgearbeitet sind, kann ich mir dir Intubation überlegen …. aber sicher nicht als Erstmassnahme durch den eintreffenden Arzt…… denn Intubation bei CPR heilt nicht!

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