Richtig handeln bei dramatischen Situationen: Basiskrisenintervention

Gerade im Rettungsdienst und in Notaufnahmen sind wir relativ oft mit dramatischen Situationen konfrontiert. Auch für erfahrene Notfallmediziner eines der Worst-Case Szenarien: Die Säuglingsreanimation. Wie gehen wir dabei mit den zurecht völlig schockierten Angehörigen um?
Eine Experten aus der Krisenintervention und erfahrene Rettungsdienstlerin, Kristina Schmidt, gibt uns einige Hinweise im folgenden Video. Im Artikel gibt es zudem einige zusätzliche, wertvolle allgemeine Tipps zur „Basiskrisenintervention“.

Allgemeine Grundlagen „Basiskrisenintervention“:

  • Vorstellung mit Namen und Funktion
  • Vermittlung von Ruhe, Sicherheit und Kompetenz als oberstes Ziel um den Patienten und die Angehörigen gut zu begleiten. 
  • Handlungen am Patienten immer ankündigen und kurz erklären.
  • Kommunikation „auf Augenhöhe“: Patient und Angehörige der Situation entsprechend informieren und versuchen im  Gespräch „mitzunehmen“, am Gesprächsende nach Fragen fragen.

Während der Reanimation:

(gilt auch bei Kinderreanimationen!)

  • Angehörige/Eltern nicht ausgrenzen oder wegschicken sondern soweit es geht mit einbeziehen und die Wahl zur Anwesenheit überlassen. (Vorteil: Angehörige/Eltern stehen unter Beobachtung und können zusätzlich zur Informationsgewinnung zur Verfügung stehen.  Außerdem wollen gerade Eltern einfach wissen und sehen, was gerade mit ihrem Kind passiert. (Nachteil: Anwesenheit von Angehörigen wird oft als zusätzliche psychische Belastung vom Einsatzpersonal empfunden.)
  • Sobald als möglich auch hier Maßnahmen erklären und auf die eigene Kommunikation (im Team und mit den Angehörigen) achten.
  • Versuchen, schon frühzeitig eine Annäherung an die Situation stattfinden zu lassen. („Sie sehen, wir drücken auf den Brustkorb ihres Sohnes. Dies ist weil sein Herz derzeit nicht schlägt. Sie sehen….“)
  • Ankündigung des Abbruchs der Reanimation ein paar Minuten vor Beendigung der Maßnahmen um schrittweises Verstehen zu fördern.

Überbringung der Todesnachricht: 

  • Klare Wortwahl beim Überbringen der Todesnachricht. Ruhige, betont langsame Sprache, ggf. mehrmaliges Wiederholen der Inhalte. 
  • Möglichkeit des Abschiednehmens und „Begreifens“ als wichtiger Schritt der Trauerarbeit, außerdem Vermittlung von Informationen um das Verstehen zu fördern. („Sollen wir Ihnen einen Stuhl neben das Bett stellen damit Sie sich ein paar Minuten zu ihrem Mann setzten? Möchten Sie ihren Jungen nochmal auf den Arm nehmen? Wir sind trotzdem noch einige Zeit da falls Sie auch noch Fragen haben sollten.“)
  • Zum eigenen Handeln ermutigen um die Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit zu fördern. (z.B. Telefonanrufe selbst erledigen lassen.)
  • Soziale Ressourcen aktivieren (lassen). („Gibt es jemand, den Sie verständigen könnten damit er/sie in dieser schwierigen Situation bei Ihnen ist…Freunde, Familie, Nachbarn, Pfarrer etc.“)
  • Erklärung des weiteren Procedere (Leichenschau, kriminalpolizeiliche Ermittlung bei unklarer Todesursache, etc.) und ggf. Angebot weiterer Unterstützungsmöglichkeiten (KIT, Notfallseelsorge, etc.)
  • falls Kinder mit betroffen sind: IMMER besondere Aufmerksamkeit auf Geschwister!

Lesetipps:

Notfallpsychologie: Ein Kompendium für Einsatzkräfte (Lasogga, Gasch)

Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) – Praxisbuch Krisenintervention (Nikendei)

Kinder in Notfällen: Psychische Erste Hilfe und Nachsorge (Karutz, Lasogga)

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

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