NERDfacts 04 / 2019 – Synkope

Bei dieser NERDfacts-Ausgabe geht’s um die Synkope – wie können wir die Patienten erkennen, die gefährdet sind und gleichzeitig diejenigen mit niedrigem Risiko rasch nach Hause schicken?

Hier gehts direkt zum NERDfact – PDF!

Die Synkope war im Nerdfallmedizin-Blog vor gut einem Jahr schonmal Thema – das ist vielleicht eine gute Gelegenheit, euch den Talk mit Philipp und Martin einfach nochmal anzuschauen.

In dieser NERDfacts-Ausgabe gehen wir auf verschiedene, aus unserer Sicht wichtige Aspekte bei der Anamnse und Untersuchung von Patienten mit Synkope ein, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Hier folgen noch einige Zusatzinformationen und natürlich die Quellenangaben zum weiterlesen für Interessierte!

Fact 1 – Sport

Eine Synkope während einer stärkeren Belastung ist möglicherweise kardialer Genese. Je nach Patientenalter kann beispielsweise eine Hypertrophe Obstruktive Kardiomyopathie (HOCM) oder eine Aortenklappenstenose dahinter stecken. Entsprechende Patienten sollten weiter untersucht werden – was in Deutschland in vielen Fällen die stationäre Aufnahme bedeutet und ein Belastungs-EKG sowie v.a. bei pathologischen Herzgeräuschen auch eine Echokardiographie erhalten.

Fact 2 – Prodromi / Vorwarnung

Als typische „Vor“-Symptome vor einer – eher harmlosen – Reflexsynkope gelten Hitzegefühl, starkes Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen, Leeregefühl im Kopf, vor allem, wenn diese sich auch noch über Minuten verstärkt haben um schließlich im Bewußtseinsverlust zu enden. Treten Vorsymptome nur wenige Sekunden vor dem Bewußtseinsverlust auf, so deutet dies eher auf eine mögliche kardiale Genese – besonders dann wenn es sich um Herzklopfen oder Herzrasen handelt.

Fact 3 – Begleitsymptome

Während ein starker, erklärbarer Schmerzreiz – wie z.B. die Nadel beim Blutabnehmen oder eine Verletzung – ein Reflexsynkope auslösen kann, so kann ein im Rahmen eines Bewußtseinsverlust aufgetretener Schmerz in Brust, Bauch oder Kopf genau wie Luftnot eine ernste, zugrundeliegende Erkrankung anzeigen. Dabei sollte man Dinge wie Lungenembolie, Aortendissektion, Herzinfarkt, Subarachnoidalblutung, abdominelles Aortenaneurysma und gastrointestinale Blutung im Hinterkopf haben – und schauen ob es für eine dieser Erkrankungen weitere Hinweise gibt.

Fact 4 – Reorientierungszeit

Die – kurzzeitige – Unterbrechung der Blutzufuhr zum Gehirn kann Konvulsionen wie bei einem epileptischen Anfall auslösen. Kriterien wie Urin- oder Stuhlabgang helfen NICHT bei der Differenzierung zwischen Synkope und Epilepsie. Allerdings spricht ein schnelles Erwachen und Wiederherstellung der Merkfähigkeit in weniger als zwei Minuten eher für eine Synkope, während Patienten nach einem epileptischen Anfall häufig noch für 10 Minuten und länger postiktal „verdämmert“ sind.
Weil wir Synkopen selbst häufig nicht sehen – hier mal ein Video, wie unterschiedlich und teils sehr „konvulsiv“ Synkopen aussehen können, stylo-Kleidung der (gesunden) Probanden inklusive.

Fact 5 – EKG

Das EKG gehört bei jedem Patienten mit einer Synkope dazu und sollte genau angeschaut werden. Aber wonach suchen? Während wir Hinweise für eine akute Ischämie oder eine Bradyarrhythmie sicher rasch entdecken übersehen wir vielleicht manchmal eine lange QT-Zeit. Und erkennen wir es wirklich immer, wenn ein Brugada-EKG vor uns liegt? Die ESC-Leitlinie listet EKG-Veränderungen auf, die „High-Risk“ sind und weitere Diagnostik erfordern. Als Merkspruch für alle relevanten Erkrankungen, die man in einem EKG bei Synkope auf keinen Fall übersehen darf, könnt ihr auch WOBBLER (Alternativlink) nutzen – und überseht dann nie wieder ein „gefährliches“ Synkopen-EKG!

Quellen und Ressourcen


Die Empfehlungen stammen alle aus der ESC-Leitlinie zur Synkope von 2018 die es mittlerweile auch als – deutsch übersetzte – Pocket-Guidelines gibt.

Tipps für die Anamneseführung bei Synkope gibt es in diesem Artikel.

Das Nerdfallmedizin-Video von Martin und Philipp zum Thema Synkope.

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