Extremitätentrauma – was sind die Basics?

Das Extremitätentrauma ist in der präklinischen Versorgung häufig – die Versorgung bereitet aber immer wieder Probleme. Wir haben daher mit Dr. Jan Bräunig vom Bundeswehrkrankenhaus Hamburg über die wichtigsten Punkte gesprochen.

Hier folgte das zweite Video zu der Thematik: Frakturen!

Erste Einschätzung:

Immer initiales Assesment durchführen, nicht von der auffälligsten Verletzung ablenken lassen!

Ersteinschätzung nach xABCDE (oder cABCDE):

eXanguinanation / critical Bleeding

  • kritische Blutungen soweit möglich mit Kompression, Druckverband oder Tourniquet stoppen!

Airway

  • bei Monotrauma seltener ein Problem

Breathing

  • bei Monotrauma seltener ein Problem, bei hämorrhagischem Schock ist frühzeitige und großzügige Sauerstoffgabe indiziert
  • Auf hohe Atemfrequenz als Frühzeichen des Schocks achten!

Cirulation

  • Insb. Oberschenkelfrakturen als kritische Blutungsquellen erkennen!
  • Volumengabe zurückhaltend, wenn vermeidbar um Verdünnung des Blutes zu vermeiden

Disability

  • periphere Sensibilität/Motorik evaluieren

Environment

  • WÄRMEERHALT – (schnell in den vorgewärmten RTW / Wärmedecken)
  • Analgesie einleiten!

Blutstillung

  1. lokale Kompression!
  2. Tourniquet anlegen bei kritischem Patienten
    • sonst initial Druckverband anlegen und bei weiterer Blutung Tourniquet
  3. Hämostyptika?
    • Anwendung unbedingt vorher üben
    • keine Wunder erwarten! (ersetzen keine Basismaßnahmen)

Verband

  • ggf. vor Verbandanlage Wunde photographieren
    • wenn die Wunde verbunden ist, bleibt sie bis in den OP abgedeckt!
    • initiales Bild geeignet um bei Übergabe Eindruck von Wunde zu vermitteln
    • jedes unnötige Verbandseröffnen erhöht das Infektionsrisiko
  • Wunde grob von Verunreinigung befreien und dann steril abdecken

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

2 Kommentare zu „Extremitätentrauma – was sind die Basics?“

  1. Hallo,

    ich hätte eine Frage zur Extremitätenverletzung.
    In dem Video wurde das Marklager vom Knochen als große Blutungsquelle genannt. Wie kann ich die den genau behandeln? Wird diese Blutung mit einem Tourniquet gestoppt?
    Und wenn ich sehe, dass sich ein Kompartmentsyndrom entwickelt bzw. am Anfang evtl. nur eine Umfangsvermehrung entwickelt, lege ich dann auch ein Tourniquet so proximal wie möglich an?
    Vielen Dank schon einmal! Und einen schönen Tag.

    1. Hi, die Marklagerwerden sehr proximal arteriell versorgt. Daher wird man auch mit optimal angelegtem Tourniquet keine komplette Blutstillung erreichen.
      Ein Kompartment zeigt sich klinisch insb. Durch eine „knallharte“ Extremität – zuletzt auch ohne tastbare Pulse – präklinisch wird man da wenig ausrichten können. Das ist bei den kurzen präklinischen Zeiten in Deutschland auch nicht sehr dramatisch, da das Kompartmentsyndrom sich meist erst sekundär in den folgenden Stunden ausbildet.
      Viele Grüße und guten Rutsch

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