Kindernotfall – Zugang? Intravenös, intraossär und mehr!

Kindernotfälle sind eher selten – und eine Belastung für unsere kleinen Patienten, Eltern und das gesamte Team. Auf den Kindernotfalltagen in Garmisch-Partenkirchen haben wir mit dem Anästhesisten und Notfallmediziner Dr. Bernd Landsleitner über verschiedene Zugangswege bei Kindernotfällen gesprochen.
Überraschung: Vielleicht ist manchmal auch gar kein Zugang nötig?

Die meisten in der Notfallmedizin tätigen sind keine Pädiatrie-Experten. Die Anlage eines i.v.-Zugang in der Notfallsituation bei kleinen Kindern und Säuglingen ist oft sehr schwierig.

Die erste Frage:

Zuallererst sollte man sich daher die Frage stellen: Brauche ich einen Zugang?

Meistens gilt: Nein! Über einen intranasalen Zugang kann sehr effektiv Analgosedierung erfolgen!

Zusammenfassung:

Leichter“ Fall? (Schmerzen, Atemnot)-> Intranasale Applikation für Analgesie / Sedierung bzw. inhalative Applikation für Bronchoobstruktion / Spastik.

Schwerer“ Fall? (Reanimation, schweres Trauma, massive Exsikkose/Blutung, Schock…) -> Intraossärer Zugang, für Narkose, Reanimation, dringliche Volumengabe.

Sonderfall Anaphylaxie: Sofortige intramuskuläre Gabe!

Tipps für intravenöse Zugänge
(falls diese nötig sind):

  • Punktion dann, wenn der Erfolg sehr wahrscheinlich ist! Kein „Herumprobieren“!
  • Punktion jeder sichtbaren Vene möglich (Hand, Ellenbeuge, Fuß insbes. Knöchel, Kopf)
  • Während Punktion Haut maximal spannen!
  • Bei Kopfvene (nur bei Säuglingen): Kopf-Tieflage (wenn toleriert), kaum bis kein Rückfluss – darauf einstellen, spülen.

Klassische „Fehler“ der Notfallmedizin:

  • Zu starker Fokus auf Venenzugang, dabei Vergessen der Basics (Wärmeerhalt, Immobilisation, Analgesie…)
  • Falls erfolgreicher Zugang: Überschätzter Volumenbedarf / Überinfusion.

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

3 Kommentare zu „Kindernotfall – Zugang? Intravenös, intraossär und mehr!“

  1. Könnt ihr bitte was sagen zu den Fehllagen der i.o.’s bei Säuglingen/Kindern?
    Beim Bonner Päd.Notfall.Symp im Januar wurde auf die eklatant häufige Fehllage und die damit verbundenen Komplikationen bei Kindern hingewiesen , die mit der dünnen Corticalis im Zusammenhang stehen würden.
    Gibt es da noch Tips/Strategien ,die zu berücksichtigen sind?

    1. Hi Anne,
      wir haben auf den Kindernotfalltagen dazu einige Expertenmeinungen gehört: Es gibt tatsächlich relativ viele Fehllagen bei sehr kleinen Kindern (Säuglingen) – vor allem wenn man es noch nicht trainiert hat. Hilfreich kann sein, das Bein wirklich fest zu fixieren, gleich nach dem Widerstandsverlust aufhören zu bohren (und nicht wie sonst teils „bis zum Anschlag“ zu bohren) und regelmäßig die Wade zu kontrollieren.
      Als gutes Modell um die kleinen Knochen möglichst realitätsnah zu simulieren, können Hühnchenschenkel wirklich hilfreich sein. Da merkt man, wie fragil das alles ist…

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