Das Covy Projekt: Kontakt trotz Quarantäne (Intensivstation)

Eine Vielzahl an Patienten sind mittlerweile mit COVID-19 in intensivmedizinischer Behandlung, viele davon intubiert und beatmet. Das ist nicht nur für die Patient*innen und uns als Personal schwierig, auch die Familien und Bekannten der Betroffenen leiden darunter. Durch die Notwendigkeit der Isolation können die Familien ihre Angehörigen nicht mehr besuchen, können keinen Trost spenden, keine aufmunternden Worte sagen.

Genau hier setzt das Projekt „Covy“ an und bietet ein pragmatisches, und praxisnahes Konzept um Angehörigen zumindest eine kleine Möglichkeit zu geben, die Patient*Innen zu unterstützen.

Das Projekt

„Covy“ ermöglichst es, Patient*innen in Isolation einfach eine Sprachnachricht vorzuspielen, die von deren Angehörigen zuvor aufgenommen wurden. Dazu braucht ihr einfach ein Handy, auf das die Angehörigen pro Tag eine Sprachnachricht via Messenger (z.B. Whatsapp) schicken können. Die Nachrichten werden dann vom Intensivteam mit einfachen Kopfhörern den Patienten vorgespielt.

Was man benötigt

  • Handy (gerne auch ein günstiges, altes iPhone oder Android Teil) + Ladegerät
  • Whatsapp (pragmatisch, weil der weit verbreitetste Messenger)
  • Billige Simkarte (von allen Anbietern verfügbar, online bestellbar) optimalerweise zum Daten sparen Zugang zum Patienten W-Lan organisieren
  • Plastiküberzug fürs Handy (ggf. einfacher Gefrierbeutel)
  • Günstige Kopfhörer (teils um 1-3 Euro online erhältlich, Suchbegriff bei Online Händlern z.B. „Billige Kopfhörer mit Kabel“)
  • Visitenkarten (oder einfacher Infozettel) mit Handynummer des „Covy-Handys“
  • ZEIT (täglich pro Patient ca. 5 Minuten) – klar, dass das Vorspielen von Nachrichten erst nach der essentiellen Intensiv-Versorgung erfolgen kann!

Datenschutz

Datenschutzaspekte sind sehr wichtig! Bitte IMMER vorab intern abklären, ob das Projekt für eure Klinik / Abteilung so in Ordnung ist!

Generell: Keine Informationen über den Zustand des Patienten, kein Prognose, keine Rückfragen oder Fotos des Patienten über Whatsapp. Hier geht es nur um die Übermittlung von Botschaften von Angehörigen an die Patienten!
Aus Erfahrung kommen auch (bisher) keine Fragen – dafür sollte der „übliche“ Weg (z.B. via Telefon…) genutzt werden.

Was meint ihr? Habt ihr ähnliche Ideen oder Konzepte?

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

3 Kommentare zu „Das Covy Projekt: Kontakt trotz Quarantäne (Intensivstation)“

  1. Interessierte Alten- und Pflegeheime können sich bundesweit bei der Telekom unter der Hotline 0800 330 0411 melden und bis zu drei Smartphones bestellen.

    Dazu gehört ein Datentarif mit einer Laufzeit von 24 Monaten. Dafür fallen weder Bereitstellungskosten noch eine monatliche Grundgebühr an. Und natürlich gehören auch die zehn Gigabyte zusätzliches Highspeed-Datenvolumen als Geschenk dazu, so wie bei allen anderen Telekom-Kunden auch. Dank dieses Datenvolumens fallen für Videotelefonate zum Beispiel via WhatsApp keine weiteren Kosten an.

  2. Coole Idee!
    Ich kann von der ITS im Bundeswehrkrankenhaus Hamburg berichten, dass mithilfe eines Tablets sogar Videotelefonie mit den Angehörigen ermöglicht wurde. In diesem Fall ging es um einen aus dem Ausland zuverlegten Patienten, der ansonsten natürlich vollkommen isoliert ist und dessen Angehörige unfassbare Ängste durchstehen müssen.

    Mit wurde berichtet, dass dieses Vorgehen sogar für intubiert-beatmete Patienten in betracht gezogen wurde.

    Haltet durch!
    Florian

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