Kinderreanimation – die Grundlagen

Die Kinderreanimation ist ein Worst-Case Szenario für uns Notfallmediziner und zum Glück sehr selten. Aber – was tun, wenn wir in diese Situation kommen?

Wir haben mit Dr. Philipp Jung, einem Experten für Kindernotfälle und -reanimationen gesprochen und die wichtigsten Grundlagen für Wiederbelebung bei Kindern diskutiert. Die wichtigste Frage dabei: Was ist bei Kinderreanimationen anders als bei den Erwachsenen?

Zuallerst: Kinderreanimationen sind belastend – natürlich für die Angehörigen, aber auch für das gesamte beteiligte Team. Diesen Aspekt müssen wir immer bedenken!

Abseits der psychischen Belastung sind die Grundlagen der Reanimation recht ähnlich zu der Erwachsenenreanimation. Zentral sind die Herzdruckmassage und Oxygenierung.

Verhältnis Herzdruckmassage / Beatmung

Solang der Patient nicht intubiert ist gilt ein fixes Verhältnis HDM / Beatmung. Während 3:1 nur im Rahmen der Neugeborenenversorgung („im Kreissaal“ bzw. während der Geburt) gilt, gibt es eine gute Faustregel:

Alle Kinder = 15:2

Wer erwachsen aussieht, oder (Tipp unseres Experten) falls man beim Reinkommen überlegt „ist das noch ein Kind oder schon erwachsen?“ – Erwachsenenalgorithmus mit 30:2.

Offiziell werden in den ERC-Leitlinien 5 Initialbeatmungen empfohlen, während die AHA sofortige Herzdruckmassage empfiehlt. Praxisnaher Vorschlag: Wenn nicht sofort (!) ein Beatmungsbeutel greifbar ist, erst mal mit Herzdruckmassage beginnen, bis der Beutel verfügbar ist.

Flowchart Kinderreanimation (Advanced Pediatric Life Support) des ERC 2015, eigene Ergänzungen/Kommentare in Rot

Häufige reversible Faktoren für Kreislaufstillstand beim Kind

Die beiden häufigsten reversiblen Faktoren sind Hypoxie und Hypovolämie. Diese sollten möglichst rasch bekämpft werden. Gerade Hypoxie ist vielleicht sogar noch vor Reanimationsbeginn behebbar (frühe und rasche Sauerstoffgabe!), sonst droht der rasche Verfall: Hypoxie -> Bradykardie -> Kreislaufstillstand.

Falls doch schon ein Kreislaufstillstand besteht: Nicht nur Herzdruckmassage sondern auch Beatmung mit Sauerstoff über Maske, Larynxmaske oder Endotrachealtubus (nur bei ausreichender Expertise – keine langwierigen Intubationsversuche!!). Bei Beatmung unbedingt auf adäquate Thoraxexkursion achten!

Ebenso Volumengabe während Kreislaufstillstand mit 20ml/kg Kristalloiden über einen Zugang, hier empfiehlt sich ein rasch etablierter intraossärer Zugang.

Weitere Details zur Kinderreanimation (inkl. Medikationsdosierungen…) folgen in der nächsten Woche!

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

2 Kommentare zu „Kinderreanimation – die Grundlagen“

  1. Aus meiner Sicht stellt die HYPOTHERMIE einen ebenso wichtigen wie behebbaren Grund für Reanimationspflichten beim Kind dar. Temperaturkontrolle im Flowchart klingt mir da zu beiläufig, weil sie nur eine Momentaifnahme ist. Generelle Massnahmen zu Abwendung der Hypothermie sind gefragt wie z.B. warme Infusionen (wenn notwendig) oder- und gerade trotz Reanimationsmassnahmen- Decken, warme Umgebung oder Infrarotbestrahlung usw. Vielleicht folgt das Thema ja noch bei der Vertiefung…

    1. Hallo Andreas, vielen Dank für deine Ergänzung! Gerade was Neugeborene betrifft hast du absolut recht – da ist der Wärmeerhalt extrem wichtig!! Bei älteren Kindern ist natürlich der Wärmeerhalt in der Versorgung wichtig (auch beim Trauma etc.), aber von der Häufigkeit als primäre Ursache der Reanimationspflichtigkeit (so meinten wir das im Video) ist die Hypothermie seltener als Hypoxie (klassisch z.B. Bolusgeschehen oder respiratorischer Infekt…) oder Hypovolämie (z.B. Fieber/Exsikkose).

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