Atemwegssicherung bei Kindern 2: Sonderfälle und Extremsituationen

Im zweiten Teil unseres Videos fragt Philipp Prof. Dr. Sebastian Russo zu konkreten Fällen im Zusammenhang mit Atemwegs- und Beatmungsproblemen bei Kindern.

Fazit ist, dass Basics oft besser sind als wilde Experimente und ein rationales Vorgehen vor dem Einsatz maximal invasiver Maßnahmen kommt.

Konkret haben wir das Thema der viralen Atemwegserkrankungen angesprochen, hier lautet die erste Maßgabe bei schlechter Sättigung: O2-Gabe und Umstände optimieren! Die nichtinvasive Beatmung ist insbesondere bei erhaltener Vigilanz eine gute Lösung um an der Intubation vorbei zu kommen. Das gilt bei Erwachsenen genau wie bei Kindern (wo NIV gerne mal vergessen wird).

Auch das Thema der Epiglottitis ist ein Angstthema für Viele. Hier ist das oberste Gebot Ruhe – der Atemweg sollte nicht inspiziert werden und neben O2 Gabe sollte Inhalation mit Adrenalin vorrangig versucht werden. Es heißt „Finger weg vom Atemweg, solange es geht!“

Was tun, wenn nichts mehr geht? Aktuelle Empfehlungen zur Atemwegssicherung des Kindes raten von einer chirurgischen Atemwegssicherung ab. Natürlich ist diese Empfehlung nicht in Stein gemeißelt und es kann Situationen geben, wo nur noch dieser Schritt (und Schnitt) bleibt. Im Notfall geht die Tendenz ähnlich wie bei den Erwachsenen hin zum chirurgischen Atemweg mit dem Skalpell – und weg von Punktionstechniken (bei absolut eingeschränkter Evidenzlage, Expertenmeinungen).

Umso wichtiger ist die Tatsache, dass die aller meisten Kinder eben mit guten Basismaßnahmen zu beatmen sind. Sowohl Maskenbeatmung als auch Rachen-CPAP oder supraglottische Atemwegshilfen sollten hinreichend versucht werden, bevor eine Koniotomie oder Tracheotomie beim Kind in Betracht gezogen wird.

Mehr dazu auch im Video zur allgemeinen Atemwegssicherung beim Kind.

Autor: Philipp Gotthardt

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme, Intensivstation und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

2 Kommentare zu „Atemwegssicherung bei Kindern 2: Sonderfälle und Extremsituationen“

  1. Hallo, Danke für die Darstellung.

    HIer noch einige Fragen an den Experten Prof. Russo:
    Der Therapieversuch mit dem Vorhalten einer Sauerstoffmaske ist eine bewährte Lösung. Ebenso die Inhaltation mit Salbutamol bei Spastik.
    Aber wie weit kann ich damit im Notfall gehen?. Welche Herzfrequezen kann ich beispielsweise bei einem 24 Monate alten Kind tolerieren bzw. bis zu welchen Werten kann ich noch mit Sabutamol zusätzlich arbeiten? Und ab wann welchem Wert sollte ich auf das Salbutamol lieber verzichten?
    Und noch ein zweiter Parameter: Welche Atemfrequenzen kann ich tolerieren?
    Jeweils unter dem Umstand, dass meine Sauerstoffgabe eine leichte Reduktion der Herzfrequenz und eine Anstieg (oder wenigstens eine Tendenz der Normalisierung) in der Pulsoxymetrie ergibt?

    Vielen Dank für die Antworten.

  2. liebes nerdfallteam. danke fuer eure wertvollen beitraege :).
    ein paar fragen: ihr sprecht immer wieder mal von NIV beim kind.
    1) gibt es indikationen, wo man (klein-) kinder wirklich an unsere i d praeklinik verfuegbaren respiratoren (wir verwenden den oxylog 3000) zur NIV Therapie schließt ?
    2)ab welchem alter eignen sich notfallrespiratoren zur sicheren anwendung am kind bei
    a)invasive beatmung bzw. b)NIV?
    schulkinder bzw jugendliche im stat. asthmaticus hab ich durchaus schon erfolgreich „geNIVt“..
    aber kleinere Kinder?
    lg

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