EKG Case: Schlaflose Nacht für die Kardiologin?

Ein 77-jähriger Patient wird in Notarztbegleitung in die ZNA gebracht. Er war nachts im Pflegeheim aufgefallen, da er plötzlich pulmonal „gebrodelt“ hatte und Schaum vor dem Mund hatte. 

Der kreislaufstabile Patient hatte initial eine SpO2 von 88%, die unter 4l O2 auf 96% anstieg. Die Atemfrequenz normalisierte sich darunter wieder.

Der Pflegedienst vor Ort hatte vermutet, dass der Patient seinen eigenen Speichel aspiriert hatte.

Eine Eigenanamnese zu erheben ist nicht möglich. 

Der Patient leidet an einer Demenz, nimmt aber durchaus aktiv am Leben teil und hatte bisher eine gute Lebensqualität. Aus den vorliegenden Unterlagen geht eindeutig hervor, dass sowohl Diagnostik als auch Therapien nach medizinischem Ermessen eindeutig gewünscht sind.

Nach der Übergabe durch den Notarzt überlegst du dir die Differentialdiagnosen und denkst an eine Herzinsuffizienz, die ähnliche Symptome machen kann. Daher lässt du ein 12-Kanal-EKG ableiten und siehst folgendes:

Extr. Ableitungen
Brustwandableitungen

Es ist mittlerweile 2 Uhr nachts und mit dir im Dienst ist eine motivierte Studentin, die auf die inferioren Ableitungen hinweist und nachfragt, ob „da nicht was hebt“ – muss man also die diensthabende interventionelle Kardiologin zur Akut-Coro alarmieren?

Du nimmst trotz der Uhrzeit hellwach das EKG in die Hand und….

Auflösung weiter unten…

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….machst du Markierungen in das EKG:

Die waagerechten Striche zeigen Anfang und Ende des QRS. Die vermeintlichen ST-Hebungen sind innerhalb des QRS und daher gehören sie nicht zur ST-Strecke.

Letztendlich muss überlegt werden, ob als Referenzstrecke die PQ-Strecke oder die TP-Strecke (vom Ende der T-Welle bis zum Beginn der P-Welle) genommen wird. In diesem EKG ist die PQ-Strecke inferior tiefer angesetzt als TP. PQ-Strecken können durch Pathologien des Vorhofs verändert sein. Letztendlich zeigt sich keine signifikante ST-Hebung in diesem EKG, auch würde eine typische, kontralaterale Senkung in aVL fehlen. Es handelt sich um einen kompletten Rechtsschenkelblock, der mit solchen intraventrikulären Veränderungen einhergehen kann.

Du lässt Troponin und CK bestimmen, die jeweils normwertig zurückkommen und lässt einen Röntgen-Thorax durchführen. Aufgrund grenzwertig signifikanter Qs inferior und nicht unwahrscheinlicher KHK erfolgt zudem eine Troponinkontrolle nach drei Stunden. 

Da im Röntgen bereits beginnende Infiltrate rechts basal zu sehen sind und auch die Entzündungswerte erhöht sind, behandelst du eine Pneumonie und lässt im Verlauf eine Schluckstörung untersuchen.

Die diensthabende Kardiologin hast du schlafen lassen und du freust dich am nächsten Morgen, dass sie dich gut ausgeschlafen in der Notaufnahme grüßt.

Ein Gedanke zu „EKG Case: Schlaflose Nacht für die Kardiologin?“

  1. 1x Adenosin 6-12mg I. V. geben, um ein atypisches Vorhofflattern mit 2:1 Überleitung zu demaskieren. Danach Antikoagulation und TEE +KV planen

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