Notfallsedierung – Infografik!

Endlich wieder eine Infografik! Diesmal wird das Thema Notfallsedierung abgehandelt. Welche Kochrezepte ihr zur Sedierung verwenden könntet und welche Punkte ihr unbedingt abarbeiten solltet, findet ihr hier zusammengefasst:

Wichtige Ergänzungen:

Insbesondere für die Präklinik: Eine Bauchlage beim (fixierten) Transport sollte man möglichst vermeiden, siehe den guten Artikel hier!

Die obige Infografik gilt für akut bedrohliche Situationen, NICHT für ein „allgemeines Delir“ ohne akute Selbst- oder Fremdgefährdung. Gerade bei älteren Patient:innen sollte ohne akute Bedrohung die Gabe von Benzodiazepinen vermieden werden! Hier die aktuelle Leitlinie zum Delirmanagement in der Intensivmedizin, hier eine Zusammenfassung des Themas „Delir“ im Ärzteblatt.

Die Notfallsedierung ist immer eine Hochrisiko-Situation! Hier aus UK gut aufgearbeitete Aspekte einer potentiell lebensbedrohlichen Situation.

Wir sind gespannt auf euer Feedback!

Weitere Infos zum Thema findet ihr z.B. hier:

Notfallsedierung (Video1 – der Plan) (Video 2 – weiteres Managment)

Autor: Philipp Gotthardt

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme, Intensivstation und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

8 Kommentare zu „Notfallsedierung – Infografik!“

  1. Hey,
    Ich bin überrascht von Midazolam, da es keine Zulassung für diese Indikation hat und bei Alkoholintoxikationen (welche gerne und häufig aggressive Zustände hervorrufen und teils mit ITS-pflichtigkeit einhergehen) kontraindiziert wäre. (?)
    Wir (in der Psychatrie) benutzen das nie bei aggressiven Patienten und überhaupt. Lorazepam bei deliranten Patienten durchaus.

    1. Die Kontraindikation bei C2-Intox ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kombination atemdepressiv machen kann. Das gilt allerdings für jedes stark sedierende Medikament. Wie Martin schon geschrieben hat, geht es nicht um Patienten, die einer Medikation freiwillig zustimmen sondern um Situationen, die eine medikamentöse Fixierung erfordern.
      In diesen Situationen braucht man ein sicheres und schnell wirksames Medikament mit einfacher Applizierbarkeit, daher Midazolam i.n.

      Selbstverständlich wird im Anschluss eine Überwachung notwendig werden und auf etwaige Komplikationen muss man sich vorbereiten.

      Neuroleptika erreichen schlicht keine ausreichende Anschlagzeit um schnell genug eine Sedierung zu erzielen. Ketamin i.m. als genannte und sichere Alternative ist eben mit durch Applikation mit Nadel für mit einem gewissen Risiko in Kampfsituationen verbunden.

    2. Hey Kathleen, danke für dein Feedback.
      Hier geht es um die Notfallsedierung, also akut bedrohliche Situationen in der akute Selbst- oder Fremdgefährdung besteht und nicht z.B. Agitation im stationären psychiatrischen Setting. Bei massiver, bedrohlicher Agitation z.B. bei akut Intoxikierten Pat. wird orales Lorazepam meist nicht ausreichen bzw. keine Möglichkeit sein, dieses zu verabreichen und die Wirkung abzuwarten. Midazolam ist in der Notfallmedizin breit bekannt und genutzt, hier empfehlen wir die (off label) Nutzung intranasal um die Gefahr der Verletzung von Personal und Patienten zu vermeiden. Wenn du Quellen hast, die hier einen Vorteil von Lorazepam zeigen, lernen wir gerne dazu.
      Unser Schema / Vorschlag bezieht sich generell auf die Notfallmedizin, in der man mit Komplikationen oder Nebenwirkungen („Überwachungspflichtigkeit“) umgehen kann und muss.
      Natürlich kann man in einer Infografik nicht alle Aspekte und spezifischen Sondervarianten im Detail beleuchten – hier geht es um einen groben Überblick. Im Text findest du auch noch weitere Quellen und ein etwas ausführlicheres Video von uns: https://nerdfallmedizin.blog/2018/03/17/notfallsedierung-part-1/

  2. Ich sehe die benzos auch eher kritisch bei den Älteren. Eine ältere Dame hat sich nach 1mg Tavor auf meiner Station mal nackt asgezogen, auf den Boden gelegt und eine geraucht. (Wollte eigentlich nur was zum Schlafen.)
    Ich habe gute Erfahrungen mir Risperdal (aggressiv), Mirtazapin (unruhig), Vomex (schlaflos) gemacht.
    Wohlgemerkt rede ich von der Normalstation ohne Monitor.
    Auf ITS/IMC geht z.b. Haldol fest alle 4h oder dexmedetomidin.
    Die wirksamkeit der einzelnen komponenten häng m.m.n. Stark von der Grundstimmung ab.

  3. Bei sehr unruhigen/deliranten Patienten habe ich gute Erfahrungen mit atypischen Neuroleptika gemacht, v.a. Quetiapin. Insbesondere bei älteren Patienten bin ich persönlich eher zurückhaltend mit Benzos…

    1. Gute Ergänzung, danke! 🙂 Uns geht es hier nicht um das „allgemeine Delir“ sondern die akute, potentiell eigen- oder fremdgefährdende Situation. Daher benötigen wir rasch wirksame Medikation.
      Wir haben den Punkt mit Benzodiazepinen bei älteren Patient:innen (wobei ich dir völlig zustimme!) oben im Text nochmal erwähnt und präzisiert.

  4. Klingt verdächtig nach dem feinen Rezept von Reuben Strayer – nasal ist ein Versuch, wird aber von tobenden Patienten gerne rausgeschneutzt.
    Äquivalenzdosis von Ketamin zu Ket-S i. m. ? Sympathomimetikum bei bereits maximal adrenerg stimulierten Patienten? Ketamin in originaler Rezeptur ist in Ö und D nicht mehr gängig soweit ich weiß?

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