NERDfall Nr. 17 – Teil 2: Stichverletzungen, Hämorrhagie & Co. – zu Gast: das MIC-Team

Die letzten Tage beschäftigten wir uns mit einem Einsatzbild, welches doch eigentlich ganz laut nach Load&Go schreit. Heißt: nicht viel Chichi und Abfahrt.
Aber nicht nur dieser Punkt wurde in der Diskussion forciert, nein durch unser künstliches Ziehen der wenigen dynamischen Einsatz-Minuten über Tage, kam auch einiges an anderweitigen konstruktiven Optimierungsvorschlägen zusammen.
Aber bevor wir uns diesen widmen kehren wir ersteinmal in die Fall-Szenerie zurück:

[Wer Teil 1 verpasst haben sollte, kann sichhiereinen Überblick über den ersten Teil des Falls verschaffen.]

Als das Team samt Patient im Schockraum des Maximalversorgers eintrifft, laufen noch die letzten Vorbereitungen. Schnell ist jedoch Ordnung und Ruhe eingekehrt. Nach einer Übergabe wird routiniert umgelagert.
Da das präklinische Team schnell Platz macht, bekommt es kaum etwas vom weiteren Vorgehen mit. Beim Herausgehen vernehmen sie jedoch noch einen laut kommunizierten Blutlaktat-Wert von „15“.
Aufgrund eines NEF-Folgeeinsatzes fand keine Einsatznachbesprechung statt.
Bei einem späteren Transport in eben diese Klinik erfährt das NEF-Team, dass der Patient eine Stunde nach Eintreffen verstorben sei. Die genaue Todesursache ließ sich vom NEF-Team nicht eruieren.
Die Polizei ging bei Eintreffen in der Klinik nach ersten Erkenntnissen von einem Suizid aus. Der Patient habe bereits eine versuchte Selbsttötung hinter sich und der Sohn sei bezeugt erst zur angegebenen Uhrzeit am Einsatzort eingetroffen.


Wenn die Tragik des Falls kurz sacken konnte, hätten wir wie angedeutet auch wieder etwas fallbezogenes Material für euch vorbereitet.
Und da es sich bekanntlich um einen anonymisierten aber doch realitätsgetreuer Fall handelt, schneidet der Vorfall erneut multiple Themen an. Ganz vorne mit dabei natürlich die Trauma-Versorgung.
Gelehrt wird sie u.a. durch viele bekannte Trauma-Kurs-Formate, wobei alle ein übergeordnetes Ziel haben: Handlungssicherheit in solch Extremsituationen schaffen. (Ergänzende CRM-Methodik unten!)
Doch jetzt mal angenommen die Handlungssicherheit ist vorhanden: die Team-Performance brilliert, die Maßnahmen greifen Hand in Hand und ab einem gewissen Punkt sind schlicht die Behandlungsoptionen vor Ort ausgeschöpft.
Lassen sich einige Maßnahmen, welche in der Klinik zum Teil seit Jahrzehnten routiniert und zielsicher durchgeführt werden, vielleicht bereits vorteilhaft in der Präklinik umsetzen?
Ein Modell-Projekt wagte vor einigen Jahren den Versuch: das Medical Intervention Car Heidelberg – kurz „MIC“ genannt.
Wir haben daher zwei der MIC-Teammitglieder als anerkannte Trauma-Experten eingeladen. Sie stellen uns nicht nur das Projekt vor und beziehen Stellung zu Trauma-Evergreens, nein sie werfen auch einen Blick auf unseren Einsatzort und bringen sich fiktiv in die Szenerie ein.

Und damit herzlich willkommen Prof. Dr. Erik Popp & Dr. Frank Weilbacher des MIC-Team Heidelbergs!

Prof. Dr. Erik Popp ist ein wahrer Vollblut-Notfallmediziner und u.a. Leiter der Sektion Notfallmedizin des Universiätsklinikums Heidelberg. Er rief damals das MIC-Projekts ins Leben.

Dr. Frank Weilbacher ist ebenfalls als Anästhesist Teil der Sektion Notfallmedizin und des MIC-Teams und dem einen oder der anderen sicher aus dem Podcast Rettungsdienst FM bekannt. Er bringt daher nicht nur Fachexpertise in puntco Notfallmedizin sondern auch hörbar am Mikrofon und im Interviewen mit.

Um dem Ganzen etwas Struktur zu verleihen, haben wir eine Unterteilung in folgende 3 Abschnitte vorgenommen:

(1) Trauma-Dauerbrenner: Empfohlenes Vorgehen und Stellenwert
Zugangsweg, Volumengabe, Intubation, Wundversorgung, Hypothermie, Load&Go und Anfahren von Grund- & Regelversorgern mit Polytraumen

(2) Das Medical Intervention Car (MIC)
Was ist das überhaupt? Wie ist es besetzt? Welche weiteren Möglichkeiten und Vorteile ergeben sich aus seinem Einsatz ?
+ Alles zu Blutprodukten, Notfall-Thorakotomie, Reboa und ECMO

(3) Spezifisches zum Nerdfall
Potentielle Eingliederung des MIC in den geschilderten Einsatz: Hilfe bei Etablierung eines Zugangs, Bluttransfusion ja/nein, Reboa?! und Gedanken zur Thorakotomie, anschließenden Transportzeiten und Menpower vor Ort

—— Sonst gibt’s hier noch (anderweitig) weiterführendes Material —–

Und weil man’s nicht oft genug erwähnen kann und es im Behandlungstunnel doch schneller als man denkt mal vernachlässigt wird:
Eigenschutz >vor allem in unklaren Lagen< beachten!

Und damit richtet sich diesmal ein großer Dank an die motivierten Mitdiskutant:innen, an Prof. Dr. Erik Popp und Frank Weilbacher
aber auch an Julius Hohmann, welcher uns die Audios netterweise gleich geschnitten und aufbereitet hat.


Teilt natürlich gerne wieder eure abschließenden Gedanken in der Telegram-Gruppe!
… und richtet Feedback gerne über Telegram an Navid bzw. mich oder per Mail an teamnerdfaelle@gmail.com


Du bist noch nicht in der Telegram-Gruppe?
Dann trete gerne bei und erlebe den nächsten Austausch live mit!

Hier findet ihr das Übersichtsdokument, welches während der Fall-Diskussion interaktiv von allen Beteiligten zusammenfassend geführt wurde.

Wenn du auch noch einen NERDfall auf Lager haben solltest, den du sehr eindrücklich fandest oder bei dem dich interessiert, wie andere Nerds in deiner Situation gehandelt hätten, reiche ihn uns gerne ein!
Hier findest du die digitalen Formulare für präklinische oder innerklinische Erlebnisse. Wir sind gespannt!

Es bestehen keine Interessenkonflikte.

Was meinst du? Schreib uns!

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