NERDfacts Folge 2/2022 Kindernotfall – Ersteinschätzung

Ersteinschätzung von Kindern

Notfälle mit Kindern sind bei den meisten von uns mit Unsicherheiten verbunden – viele haben wenig Routine. Kinder sind eben keine kleinen Erwachsenen! Wie man sich einer Erst-Einschätzung von Kindern im Notfall nähert, zeigen wir euch in den aktuellen NERDfacts.

Das pdf zu dieser Folge findet Ihr hier:

Fact 1 – PÄDIATRISCHES BEURTEILUNGSDREIECK!

Notfälle bei Kindern sind immer emotionsgeladen. Lange können Kinder kritische Situationen kompensieren, sich dann aber rapide verschlechtern. Bei der Ersteinschätzung müssen daher kritisch kranke Kindern identifiziert werden. Das Dreieck bietet eine erste Lageeinschätzung des Kindes noch vor cABCDE als strukturierten Ersteindruck schon auf die Ferne. Atmung, Erscheinung und Hautfarbe sind mit bloßem Auge beurteilbar. Dies kann bereits schon von der Türe aus beim Betreten der Szene erfolgen. So hat man einen ersten Eindruck ohne, dass man das Kind dafür mit seinem Stethoskop stressen muss. Bei Auffälligkeiten in einem Teil des Dreiecks sind ggf. Maßnahmen zumindest vorzubereiten und mit dem Team zu kommunizieren.

PÄDIATRISCHES BEURTEILUNGSDREIECK

Fact 2 – ATMUNG/ATEMARBEIT!

Hinweis auf gefährdeten Atemweg oder Erschöpfung können
Stridor, erhöhte/erniedrigte Atemfrequenz, Einziehungen,
Keuchen, Schnüffelstellung und Nasenflügeln sein. Dabei kann die SpO2 noch normal sein. Kinder können solche Situationen relativ lange kompensieren, brechen dann aber unvermittelt ein. Daher sollte man darauf vorbereitet sein, ggf. die Atmung zu unterstützen. Eine auffällige Atmung bei einem Kind mit veränderter Vigilanz ist ein absolutes Warnsignal. V.a. kleinere Kinder haben keine ausgeprägte Atemhilfsmuskulatur. Sie fangen bei Dyspnoe an mit dem Kopf zu nicken.

Fact 3 – ÄUSSERE ERSCHEINUNG!

Verschafft euch einen Überblick und nehmt bewusst wahr, wie das Kind auf euch wirkt. Achtet dabei auf Hautfarbe, Feuchtigkeit, Tonus, Interaktion des Kindes mit der Umgebung etc. Ein Kind, das die „Leute in Rot“ völlig ignoriert, ist ein Warnsignal. Noch gefährlicher wird es, wenn das Kind auch auf seine Eltern nicht mehr reagiert und schlaff auf dem Arm der Mutter liegt.

Hilfreich, um sich zu merken, auf was man bei der Einschätzung achten sollte, ist z.B. das Akronym TICLS:

Tonus (schlaff, normaler Tonus)
Interaktion (Reaktion verlangsamt, keine Interaktion),
Consolability (=Tröstbarkeit; normalerweise lassen sich Kinder nach gewisser Zeit (durch die Eltern) trösten)
Look (beobachtet das Kind seine Umgebung?)
Speech (Spricht oder schreit das Kind?)

Fact 4 – HAUTFARBE!

Die Hautfarbe bzw der Haut-Status lässt Rückschlüsse auf die Perfusion zu: Blässe, Marmorierung, Zyanose oder sichtbare Hautveränderungen wie Verbrennungen, Urtikaria oder Exantheme sind Warnsignale.

Fact 5 – NORMALWERTE UND HILFSMITTEL!

Kinder haben andere Normalwerte, die sich altersabhängig verändern. Schon auf der Anfahrt lohnt es sich in einschlägige Tabellen zu schauen. Im Notfall haben sich Hilfsmittel wie Lineale und Dosierhilfen oder aber auch Apps bewehrt. So muss man im Notfall nicht alles auswendig parat haben und hat mehr geistige Ressourcen zur Verfügung, um v.a. Dosierungsfehler zu vermeiden. Nutzt daher unbedingt solche Hilfsmittel!

Eine kleine Auswahl möglicher Hilfsmittel (bei kommerziellen Produkten: Keine Werbung, nur Nennung verschiedener Produkte!):


Quellen und weiterführende Infos:

Autor: Tim Eschbach

Ich bin leidenschaftlicher Notfallmediziner und Notarzt. Ich engagiere mich für die Fort- und Weiterbildung im Bereich der inner- und präklinischen Notfallmedizin, insbesondere im Bereich SOPs, CRM und Fehlerkultur.

2 Kommentare zu „NERDfacts Folge 2/2022 Kindernotfall – Ersteinschätzung“

  1. Hi Tim…schöner Beitrag ! Wichtig finde ich bei der Nutzung des Beurteilungsdreieckes (PBD), dass man es ab 2 auffälligen Seiten im PBD mit einem kritisch kranken Kind zu tun hat und damit sofortige „Locke zur Socke“-ABCDE-Intervention gefordert ist…bei nur einer auffälligen Seite kann und sollte von der „Socke zur Locke“ langsam der Kontakt zum kleinen Patienten aufgebaut werden..Nerdige Grüße

    1. Moin,
      das stimmt. In der Regel lässt das Kind den Kontakt ja nur vorsichtig zu, es sei denn es geht ihm richtig schlecht. Guter Hinweis 👍

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