Affenpocken: Vorgehen im Rettungsdienst und in der Notaufnahme


Auch wenn wir alle genug haben von lästigen Viruserkrankungen.. Die Affenpocken sind aktuell in aller Munde und wir sollten uns darüber informieren. Was ihr im Rettungsdienst dazu wissen solltet haben Ralf Mäser und Thomas Plappert toll und kompakt zusammengefasst. Vielen Dank, dass wir die Infos (leicht angepasst) hier teilen dürfen!

Wichtig: Die folgenden Informationen sind nach bestem Wissen und Gewissen auf dem Stand vom 26.5.2022 erstellt und ohne Gewähr! Wegen der dynamischen Lage empfehlen wir unbedingt die Updates und Veröffentlichungen offizieller Stellen, insbesondere des RKI und der WHO zu verfolgen. Über Ergänzungen und Korrekturen von euch sind wir immer dankbar – schreibt uns einfach!

Die WHO ruft das medizinische Personal weltweit zu besonderer Aufmerksamkeit auf, um Fälle frühzeitig zu erkennen und zu isolieren.


Derzeitiger Stand ist folgender:

Wo kommen die Affenpocken her?

Es handelt sich um eine Viruserkrankung. Normalerweise sind Nagetiere und auch Affen betroffen, es sind jedoch auch Übertragungen auf andere Tiere und eben auch Menschen möglich.

Sind Affenpocken eine neue Erkrankung oder gibt es Hinweise auf Mutationen?

Die Affenpocken wurden Ende der 1950er entdeckt, immer wieder gab es kleinere Ausbrüche. Je mehr und je schneller wir reisen, umso wahrscheinlicher wird eine Verteilung an verschiedenste Orte der Welt.

Wie werden Affenpocken übertragen?


Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gilt insgesamt als selten und ist laut RKI nur bei engem Kontakt wahrscheinlich, sie kann vor allem durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten bzw. den typischen Hautveränderungen (z.B. Bläscheninhalt, Schorf) der Affenpocken-Infizierten auftreten. Neben einer Übertragung über das „Pockensekret“ ist auch eine Übertragung über Speichel und andere Körpersekrete möglich, eine Tröpfchenübertragung wird aktuell diskutiert.

Wann muss ich an Affenpocken denken?


Patient:innen, die sich mit Affenpocken infiziert haben, entwickeln nach eine langen Inkubationszeit von 5 bis 21 Tagen zunächst sehr unspezifische Symptome: Fieber, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen, Lymphknotenschwellung.
Innerhalb von einigen Tagen tritt dann überlicherweise der Hautausschlag hinzu.

Wie sieht der Ausschlag aus?


Typischerweise sind die Läsionen flach oder nur leicht erhaben, 2-5mm groß und mit klarem oder gelblichem Sekret gefüllt. Sie treten sowohl im Gesicht, als auch an Handflächen und Fußsohlen auf. Ebenso ist ein Auftreten an den Genitalien oder den Augen ist möglich. Es ist zwischen wenigen, bis hin zu mehr als tausend Läsionen alles möglich. Die Ausbreitung erfolgt zentrifugal, also vom Stamm aus in Richtung der Extremitäten. Bei vielen Patient:innen sind die Läsionen in einem Stadium (monomorph), aber auch Verläufe mit vielen unterschiedlich alten Läsionen (pleiomorph) kommen vor.

Hautläsionen bei Affenpocken. Quelle: Wikipedia via UK Government


Weitere Bilder des Ausschlages gibt es bei den Kolleg:innen von First10EM.

Wie gefährlich sind Affenpocken?


Die gute Nachricht: Die Affenpocken sind viel ungefährlicher als die 1980 ausgerotteten Menschenpocken (Variola). Die meisten Erkrankten erholen sich innerhalb von mehreren Wochen. Insgesamt ist die Prognose daher günstig, allerdings sind schwere Verläufe möglich. Die meisten Ausbrüche in der Vergangenheit konnten mit den Basismaßnahmen der Hygiene gut beherrscht werden.
In etwa jedem fünften Fall sind bakterielle Superinfektionen der Haut beschrieben, in bis zu jedem 10. Fall auch Lungenentzündungen. Selten kann es zu Komplikationen an den Augen oder einer Encephalitis kommen.
Die in den Ländern Zentralafrikas gesehene Mortalität von ca. 10% scheint in westlichen Ländern wesentlich geringer zu sein. In Industrienationen gab es zuletzt keine Todesfälle bei Ausbrüchen.

Wie melde ich Patient:innen in der Klinik an?


Grundsätzlich kann jede Notaufnahme und jede internische Klinik die Versorgung leisten, Kliniken mit infektiologischer Erfahrung sind zu bevorzugen. Wir empfehlen bei akuten Verdachtsfällen unbedingt eine direkte, telefonische Kontaktaufnahme vorab. Ein Transport in eine Klinik, die dann keine Möglichkeiten zur Isolation hat macht keinen Sinn (das kennen wir ja mittlerweile von COVID sehr gut).

Wie schützen wir uns im Rettungsdienst und in der Notaufnahme?


Das Vorgehen kann generell als Analog zu COVID-19 beschrieben werden: Schutzkittel, Handschuhe, Brille sowie im direkten Kontakt FFP2 Maske. Die Hautläsionen sollten möglichst nicht berührt werden und locker abgedeckt werden.
Die Desinfektion von Patientenraum und Kontaktoberflächen/Ausrüstung muss mit einem viruziden Flächendesinfektionsmittel erfolgen. Wir empfehlen hier im Moment eine komplette Desinfektion nach Rücksprache mit dem/der Desinfektor:in (auch das RKI wechselt seine Empfehlungen noch, hier der Link zur aktuellen Version)

Gibt es eine Impfung?


Der bis in die 1970er Jahre (BRD) bzw. 1980er Jahre (DDR) verabreichte Pocken-Impfstoff schützt grundsätzlich auch vor den Affenpocken (falls nach so vielen Jahren tatsächlich noch Impfschutz besteht).

In der EU ist ein Pocken-Impfstoff zugelassen (Imvanex), der besser verträglich ist als ältere Pockenimpfstoffe, er ist in den USA und Kanada auch zur Impfung gegen Affenpocken zugelassen. Eine Impfung ist unter Umständen bei bestimmten Kontaktpersonen denkbar – eine allgemeine Empfehlung zur Impfung durch das RKI gibt es aktuell aber nicht.

Wer meldet wann wem was?


Die Meldepflicht liegt bei der nachweisenden Ärzt:in bzw. dem Labor, das das Virus nachweist. Es gibt aktuell keine Meldepflicht bei Verdacht, lediglich bei Nachweis der Infektion.
Regionale Besonderheiten (Meldung beim Fachdienst Gefahrenabwehr, ÄLRD, etc.) bitte beachten!

Wie werden Affenpocken behandelt?


Die Behandlung ist – wie bei den meisten Viruserkrankungen – zunächst rein symptomatisch. Mit Tecovirimat steht zudem ein Medikament zur Verfügung, dass u.a. eine Zulassung zur Behandlung von Affenpocken hat.

Wo finde ich valide Informationen?

Hier gibt das RKI einen fokussierten Überblick zur den Affenpocken, inkl. Download als PDF.

RKI Flowchart (Screenshot vom 26.05.2022): Download der aktuellen Version hier.

Originalarbeiten für Nerds:

Autor: Philipp Gotthardt

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme, Intensivstation und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

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