Neuro-Untersuchung im Notfall (Teil 3)

Simon erklärt, worauf man bei verschiedenen neurologischen Fällen besonders achten sollte – was ist bei Schlaganfall, Krampfanfall, Kopfschmerz, Querschnitt und Co. wichtig?

Die anderen Teile und Shownotes findet Ihr hier:

Neuro-Untersuchung Teil 1

Neuro-Untersuchung Teil 2

Beat the Stress, Fool! – Handeln in Stresssituationen

Was hat der berühmte Mr. T aus dem A-Team mit Stress zu tun? Philipp erklärt euch eine geniale Taktik, um mit dramatischen Situationen umzugehen – BEAT THE STRESS, FOOL!

Beat the Stress Fool steht für  Breath, Talk, See, Focus  – vier Taktiken bzw. Techniken für die akute Stresssituation.

Notfallmedizin ist geprägt von schnellen Entscheidungen und weitreichenden Konsequenzen. Stress ist ein ständiger Wegbegleiter und muss rechtzeitig erkannt und bekämpft werden.

Doch warum entsteht Stress eigentlich? 

Stress beschreibt die Dysbalance zwischen (erlebten) Ressourcen und geforderten Aufgaben.

Dabei gelten folgende Kriterien einer Situation laut Eberspächer als besonders stressauslösend:

  • hohe Bedeutsamkeit
  • nicht-Wiederholbarkeit
  • Konsequenzen bei Misserfolg
  • hohe Anforderungen
  • Zeitdruck
  • ungewisser Ausgang

All diese Kriterien sind Wegbegleiter des Notfallmediziners und lassen bereits erkennen, dass wir einem hohen Risiko durch Stress ausgesetzt sind.

Stress kann dabei akut über uns hereinbrechen, etwa mit der Ankunft eines hoch instabilen Patienten. Ebenso kann aber auch im Laufe einer Schicht die Belastung zunehmend kummulieren und sich so das Stresslevel unbewusst immer weiter erhöhen.

Die Effekte sind dabei gleich, kognitive Kapazität wird gebunden, die Entscheidungsfähigkeit wird eingeschränkt und motorische Fähigkeiten beeinträchtigt.

Der Umgang mit Stress ist daher essentiell für die Handlungsfähigkeit in zeitkritischen Situationen.

Von Lauria wurden im Mnemonik „Beat the Stress, Fool!“ vier Möglichkeiten der Stressbewältigung festgehalten. (http://dx.doi.org/10.1016/j.annemergmed.2017.03.018)

Breathing

„Tactical Breathing“ sollte allen Fans von Scott Weingart wohl bekannt sein – gemeint ist die kontrollierte Atmung. Atmung ist als einziges Vegetativum bewusst steuerbar und kann durch bewusste Steuerung unsere Sympatikusaktivität senken.

Zusammenfassen kann man diese Technik schnell:

je 4 Sekunden Einatmen, Luft anhalten, Ausatmen, Luftanhalten… insgesamt pro Zyklus (also 16 Sekunden) Atemübung die idealerweise 3 Mal wiederholt werden sollte.

Hierdurch können wir uns in Stresssituationen bewusst bremsen und wieder auf einen gesunden Stresspegel herabregulieren.

Talk

Selbstgespräche führt jeder. Durch Selbstgespräche können wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Reaktion auf Situationen bewusst beeinflussen. Hierbei sollten einige Grundregeln beachtet werden:

  • sei kurz und präzise
  • sei freundlich
  • sei positiv
  • wiederhole deine Leitsätze

Ein geeigneter Satz wäre beispielsweise: „Ich bleibe ruhig, denn ich kann das!“. Das kann man z.B. auf der Toilette machen, wenn ein kritischer Patient angekündigt ist oder auch auf Anfahrt.

Diese triviale Methode sollte unbedingt eingeübt werden. Nur wenn unsere Leitsätze häufig wiederholt werden, entwickeln sie eine entsprechende Wirksamkeit.

See

Mentale Mindmaps können uns helfen, Situationen im Kopf durchzuspielen. Hierbei kann man von einer Form „mentaler Simulation“ sprechen.

Um diese Übung effektiv zu gestallten sollten nicht nur fachliche Faktoren im Kopf durchgespielt werden. Insbesondere müssen die eigenen Gefühle, die Örtlichkeit und Orientierung im Raum, eigene Bewegungen, das eigene Blickfeld, und motorischen Handlungen bewusst visualisiert werden. Durch häufige Wiederholung können wir auf diese Weise auch seltene Situationen im Kopf erleben und uns auf den Ernstfall vorbereiten.

Focus

Triggerworte können uns im Stress helfen, wieder auf den richtigen Pfad zu gelangen. Ideal geeignet ist beispielsweise: „ABCDE“

Sind wir in einer Situation überfordert und wissen nicht mehr weiter, können wir uns durch ein Trigger-Wort wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Einen Schritt aus der Situation in die Beobachterrolle können wir kurzfristig unser Tun hinterfragen und uns neu strukturieren.

Fazit

Zusammengefasst sind die vier vorgestellten Techniken wertvolle Tools zum Umgang mit Stress. Diese müssen jedoch eingeübt und gepflegt werden.

Abschließend kann die Relevanz eines achtsamen Umgangs mit unseren Ressourcen nicht ausreichend betont werden. Stress begleitet uns und kann gesundheitlichen Schaden hervorrufen.

Daher nicht zögern und mit dem Training beginnen! „Beat the Stress, Fool!“

Lust auf mehr? First10EM hat genial die Auswirkungen von Stress und Lösungsmöglichkeiten zusammengefasst.

Auch die Kollegen von wAINS-world haben dieses Thema schon mal besprochen.

Orginalarbeit von Lauria et al:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28460863

Geburtshilfe im Rettungsdienst – Anamnese und Untersuchung

Wenn man zur „Geburt“ alarmiert wird, hat man häufig ein ungutes Bauchgefühl. Wann vor Ort bleiben – und falls man den Transport antritt… wie? Welche Notfälle können uns begegnen und was tun wir dann?

Philipp interviewt eine echte Expertin – Steffi ist Hebamme und erklärt, was beim Geburtsnotfall wirklich wichtig ist.

Was meint ihr?

 

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Komplexe Situationen meistern mit Daniel Marx

Wir alle kennen es – eine Situation gerät Schritt für Schritt ausser Kontrolle. Wie kann man sich da noch „einfangen“? Welche Tipps und Tricks gibt es – und welche Mechanismen stehen hinter chaotischen Situationen?

Daniel Marx ist ein Experte im Bezug auf Human Factors und Erfinder und Dozent von FaktorMens.ch.
Wir hatten die Ehre mit Ihm ein Interview zum Vorgehen bei komplexen Einsatzsituationen zu machen.

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Die Notfallnarkose

Für die Narkose des Notfallpatienten gibt es viele und teilweise unübersichtliche Kochrezepte. Philipp möchte euch seine Notfallnarkose vorstellen. Einfach und (fast) universell anwendbar.

Vorraussetzungen:

  • Monitoring (EKG,RR mit kurzem Intervall, spO2, Kapnographie/-metrie)
  • 2 sichere venöse Zugänge
  • Airway-Equipment (siehe kommendes Video „Atemwegssicherung“)
  • Lagerung

Weiterlesen „Die Notfallnarkose“

Neuro-Untersuchung im Notfall (Teil 2)

Wie läuft eine neurologische Notfalluntersuchung ab?  Simon erklärt am lebenden Modell praxisnah den Ablauf der Neuro-Notfalluntersuchung.
In Teil 3 seht ihr noch spezielle Fragestellungen bei einzelnen Notfallbildern wie Schlaganfall oder epileptischen Anfall.

Die Übersichtsgraphen gibt es in den Shownotes zum ersten Beitrag:

Teil 1

 

Anaphylaxie – richtig behandeln!

Die Anaphylaxie ist ein schwerer und lebensbedrohlicher Notfall – was kann und soll man tun? Was ist überhaupt eine Anaphylaxie?

Warum Adrenalin an erster Stelle der Therapie steht, welche Rolle Fenistil® und die vielen anderen Medikamente spielen und was man im Worst Case – der Reanimation vielleicht noch machen könnte bespricht Philipp mit Martin.

Definition „Anaphylaxie“: Schwere, allergische Reaktion mit unterschiedlichem pathophysiologischen Ablauf

Schnelles Auftreten eines der drei folgenden Szenarien:

  • Hautreaktion (Urtikaria, Schwellung, Rötung) PLUS respiratorische Symptomatik oder Hypotension
  • Zwei der folgenden Symptome: Respiratorische Beschwerden / Hypotension / GI-Symptomatik / Endorganschäden
  • Hypotension kurz (Minuten bis Stunden) nach Einnahme eines bekannten Allergens
Weiterlesen „Anaphylaxie – richtig behandeln!“

Neuro-Untersuchung im Notfall (Teil 1)

Wie läuft eine neurologische Notfalluntersuchung ab? Was soll unbedingt abgeklärt, was kann auch später gemacht werden? Simon erklärt im Interview mit Martin den grundlegenden Ablauf der Neuro-Notfalluntersuchung – fokussiert und konkret.

 

In Teil 2 seht ihr dann eine Vorführung der Untersuchung, in Teil 3 dann noch spezielle Fragestellungen bei einzelnen Notfallbildern wie Schlaganfall oder epileptischen Anfall.

Wichtig bei der prähospitalen neurologischen Untersuchung ist ein Schema zu haben und dieses möglichst bei jedem relevanten Einsatz abzuarbeiten.

Blutstillung mit dem Tourniquet

Funktionsweise:
Knebel, der den arteriellen Blutfluss unterbindet und dadurch distale (körperferne) Bereiche von der Blutversorgung trennt.
Indikationen:
  • Extremitätenblutungen, die durch Druckverband und Hochlagerung nicht kontrolliert werden können.
  • Indikation zur sofortigen Anlage:
    • lebensgefährliche Blutungen/multiple Blutungsquellen an einerExtremität/Amputation,
    • Nichterreichbarkeit der eigentlichen Verletzung,
    • mehrere Verletzte mit lebensbedrohlichen Blutungen,
    • schwere Blutung der Extremitäten bei gleichzeitig kritischem A-, B- oder C-Problem.

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