David Williams Award der DGINA

Heute sind wir von der Deutschen Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) mit dem „David-Williams Award“ ausgezeichnet worden.

Online-Verleihung im Rahmen des DGINA-Kongresses

Wir möchten uns ganz herzlich für diese große Ehre bedanken!!

Unser besonderer Dank geht an die vielen Menschen, die Nerdfallmedizin erst möglich machen – das tolle und engagierte Team und natürlich unsere Familien und Partnerinnen, die uns massiv unterstützen.

Ganz herzlich möchten wir uns aber auch bei allen Kolleginnen und Kollegen bedanken, die – aus allen an der Notfallmedizin beteiligten Berufsgruppen stammend – dieses Projekt mit motivierendem Feedback, konstruktiven Vorschläge und vielen tollen fachlichen Diskussionen unterstützen.

Vielen Dank, habt ein schönes Wochenende – und bis bald!

Wer die DGINA nicht kennen sollte: Die DGINA vertritt die Interessen der klinischen Notfallmedizin in Deutschland und tritt – so wie wir – ganz klar für den Facharzt für Notfallmedizin und viele weitere Verbesserungen der notfallmedizinischen Versorgung und Arbeitsbedingungen ein.
Für Mitglieder aller notfallmedizinisch tätigen Berufsgruppen, die sich in der Aus-, Weiterbildung oder Studium befinden (oder sich einfach jung fühlen) gibt es die fantastische Young DGINA!

Neue Reanimationsleitlinien 2020: Zusammenfassung (AHA)

Heute fand die Online-Präsentation der neuen Reanimations-Leitlinien der American Heart Association (AHA) gemeinsam mit ILCOR statt. 


-> Download Highlights AHA CPR Leitlinien 2020 (deutsch) und Highlights AHA Guidelines 2020 (englisch) mit den wichtigsten Flowcharts in guter Auflösung
-> Direkter Download AHA 2020 Guidelines (Circulation 2020, englisch) 

-> Direkter Download ILCOR-Empfehlungen 2020 (Resuscitation 2020, englisch) sowie Zusammenfassung der ILCOR-Empfehlungen auf News-Papers

Subjektives Kurz-Fazit: 

Bei Erwachsenen kaum Neuerungen, die die Praxis verändern. Bei Kindern erhöhte Beatmungsfrequenz als relevante Änderung.

Quelle inkl. Bildquellen: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916

Erwachsene:

Reanimation:

  • Fokus auf Adrenalin ASAP bei nicht-schockbaren Rhythmen (unverändert)
  • Weiterhin 30:2 Kompression/Beatmung
  • Gleichwertigkeit Amiodaron (1. Dosis 300mg; 2. Dosis 150mg) oder Lidocain (1. Dosis 1-1,5mg/kg; 2. Dosis 0,5-0,75mg/kg)
  • Zugang primär intravenös, wenn nicht (zeitnah) möglich: Intraossär.
  • Kein Beweis, dass „double sequence defibrillation“ Vorteile bringt
  • Ultraschall soll nicht Prognose-Tool benutzt werden (jedoch kann/soll Ultraschall für Ein/Ausschluss von reversiblen Ursachen genutzt werden) 
AHA ACLS Algorithmus für Erwachsene, Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916 (bzw. deutsche Übersetzung Zusammenfassung Leitlinien für CPR AHA)

Beendigung Reanimation (prähospital):

Wenn alle Bedingungen erfüllt, Beendigung der Reanimation erwägen:

  • Nicht-beobachteter Arrest
  • Keine Laienreanimation
  • Kein ROSC (vor Transportbeginn)
  • Kein Defi-Schock / kein schockbarer Rhythmus (vor Transportbeginn)

Neuer Algorithmus für Schwangere mit Fokus auf:

  • Hochqualitative Reanimation, zusätzlich:
  • Auf manuelle linkslaterale Uterusverlagerung achten (siehe Bild)
  • Patientinnen mit Fundusstand Höhe Bauchnabel oder höher: Mit Beginn der Reanimation sofort Peri-Arrest Section planen, sollte binnen 5 Minuten (!) ab Arrest durchgeführt werden wenn Kompetenz / Kapazität vorhanden
AHA manuelle linkslaterale Verlagerung des Uterus während Reanimation. Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916

Ursachen für Kreislaufstillstand bei Schwangeren – „ABCDEFFG“:

  • Anästhesie-Komplikationen
  • Blutung
  • Cardiovaskulär
  • Drugs (Medikamente)
  • Embolie
  • Fieber (Sepsis)
  • Generell nicht-schwangerschaftsassoziierte Ursachen (Hs und Ts)
  • Hypertension

Neuer Algorithmus bei Opioidintoxikation:

(besonders relevant für die USA)

  • Laien-Algorithmus:
    • Verdacht auf Opioid-Inoxikation? -> Hilfe holen, AED und Naloxon holen.
    • Normale Atmung? -> Nein:
    • Naloxon verabreichen, AED nutzen, CPR beginnen
  • Für Profis: Bei ACLS „Naloxon erwägen“

Post-ROSC-Behandlung:

  • Weiterhin Fokus auf: 
    • Normoxämie (SpO2 92-98%)
    • Normokapnie (PaCo2 35-45mmHg)
    • RR: Systole > 90mmHg, MAP >65mmHg
    • Euglykämie
    • Sofortiges 12-Kanal-EKG -> STEMI/Kardiogener Schock/Mechanische Kreislaufunterstützung: Herzkatheter dringlich
  • Alle nicht-reagierenden Patienten nach ROSC (initialer Rhythmus ohne Relevanz)
    • TTM/Therapeutische Hypothermie (32-36°C)
    • Frühzeitiges cCT (innerhalb 24h)
    • möglichst EEG-Monitoring
    • lungenprotektive Beatmung (und alle weiteren intensivmedizinischen Maßnahmen)
    • Kein Beweis für routinemäßige Antibiotikagabe

Neues Schema für neurologische Prognostik:

  • Initial (bis 24h):
    • TTM
    • cCT
  • Erwärmungsphase und danach:
    • NSE (24h/72h)
    • ggf. cMRT 
    • Marker für schlechtes Outcome (u.a. und in Kombination!) nach >72h post ROSC
      • Beidseitig fehlenden Pupillen-Lichtreflexe / Cornea-Reflexe
      • Myoklonien (hier EEG zum Ausschluss cerebraler Korrelate)
      • EEG mit Burst Suppression
      • Abwesende SSEP (bereits 24h nach ROSC)
  • Optimaler Prognosezeitraum: 5 Tage nach ROSC (bei TTM) = 72h nach Wieder-Erreichen von Normothermie
AHA Schema für neurologische Prognostik nach ROSC, Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916 (bzw. deutsche Übersetzung Zusammenfassung Leitlinien für CPR AHA)

Kinder:

Reanimation:

  • Sobald Intubation oder supraglottischer Atemweg: Beatmungsfrequenz 20-30 / Minute (Neu! Höher als vorherige Leitlinie) – diese neue Beatmungsfrequenz gilt auch für Kinder mit Atemstillstand und Puls
  • Weiterhin 15:2 Kompression zu Beatmung (100-120 Kompressionen / Minute)
  • Fokus auf Adrenalin frühestmöglich bei nicht-schockbaren Rhythmen 
  • weiterhin: Erster Schock 2J/kg, zweiter und folgende Schocks: 4J/kg
  • Amiodaron (5mg/kg) oder Lidocain (1mg/kg) gleichwertig 
  • Prähospital: Masken-Beutel-Beatmung gleichwertig zu Intubation
  • Wenn Intubation: Tuben mit Cuff empfohlen
  • Wenn Arterie etabliert: Zielgröße diastolischer Blutdruck (Unklarheit über genaue Werte, z.B. >25mmHg bei <1 Jahr; >30mmHg bei >1Jahr)

Tachykardie-Algorithmus bei Kindern mit vorhandenem Puls überarbeitet: Initiales Prüfen von Puls, Atemweg -> dann Instabilitätskriterien -> dann Unterscheidung breite / schmale Rhythmen und deren Therapie

  • Instabil und Breiter QRS: Strom
  • Instabil und Schmaler QRS: Adenosin (wenn nicht effektiv:) Strom
  • Stabil und Breiter QRS: Adenosin / „Experten“
  • Stabil und Schmaler QRS: Vagale Manöver – Adenosin
AHA Pädiatrischer Tachykardie-Algorithmus, Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916 (bzw. deutsche Übersetzung Zusammenfassung Leitlinien für CPR AHA)

Post-ROSC-Management

  • TTM
  • Normoxämie
  • Normokapnie

+ Neue „Post ROSC Checkliste“

AHA Pädiatrische Post-ROSC Checkliste. Quelle: Circulation. 2020;142(suppl 2):S366–S468. DOI: 10.1161/CIR.0000000000000916 (bzw. deutsche Übersetzung Zusammenfassung Leitlinien für CPR AHA)


Andere Notfälle:

Septischer Schock bei Kindern:

  • Neue Volumen-Empfehlung 10ml/kg, regelmäßiges Reassessment (Volumenresponse, Volumenüberladung)

Neugeborenen-Reanimation:

Wenn Neugeborenes stabil, frühzeitig Haut-Haut Kontakt mit Mutter
EKG als bester Indikation für Herzfrequenz (und Reaktion auf Therapie)Pulsoxymetrie als Monitoring für etwaige Sauerstofftherapie (und ggf. Titration)

Kompression/Beatmung unverändert 3:1:

  • 90/min Herzdruckmassagen
  • 30/min Beatmungen

Wenn nach 20 Minuten keine Reaktion auf Reanimation; Beendigung der Reanimation diskutieren.

Systematische Empfehlungen:

Einfaches Schema für Notrufzentralen / Leitstellen: „No-No-Go“

  • Reagiert der Patient? -> Nein?
  • Atmet der Patient normal? -> Nein
  • -> GO! Reanimationsinstruktionen!

Debriefing nach Reanimationen durchführen

  • möglichst unterstützt mit objektiven Daten-Auswertungen (von Defibrillatoren, Monitoren)

Neue ERC Leitlinien 2020 – „öffentliche Diskussion“:

Unter https://cprguidelines.eu/guidelines-public-comment hat die ERC zudem heute beinahe zeitgleich ihre neuen Leitlinien zur öffentlichen Diskussion gestellt.

Ihr seid dran!

Das war unser Eindruck der neuen AHA 2020 Guidelines. Was meint ihr? Habt ihr noch spannende Punkte gefunden? Welche Unterschiede zu den „noch zu diskutierenden ERC Leitlinien“ von 2020 habt ihr aufgetan? Wir sind gespannt auf eure Beiträge und freuen uns über alle Ergänzungen.

Notfälle durch Energydrinks?

Viele von uns greifen in anstrengenden Nachtdiensten ab und zu mal auf einen Energydrink zurück. Mittlerweile bekommt man an jeder Tankstelle eine große Auswahl an Getränkten, deren Inhaltstoffe an einen Chemiebaukasten erinnern und deren Werbeversprechen groß sind. 
Wie „gesund“ ist der Konsum von Energydrinks, was sind möglich Folgen und Risiken?

Es scheint bei übermäßigem Konsum einige Risiken zu geben, wobei der Konsum in Maßen vermutlich ungefährlich ist.

Dazu hat Jürgen Knapp mit Kollegen einen tollen Artikel geschrieben.

Weiterlesen „Notfälle durch Energydrinks?“

Anziehen! Ausziehen! (Schutzkleidung…) und unterschreiben!

Die Welle rollt langsam an und wir wünschen euch allen viel Kraft für die kommenden Tage und Wochen.

Um sowohl uns selbst, als auch die vielen uns anvertrauten Patienten zu schützen, müssen wir besonders darauf achten, unsere Schutzkleidung korrekt an- aber auch auszuziehen.

Die LMU hat einige schöne Videos dazu erstellt – schaut mal rein!

Und dann noch ein wichtiges Anliegen. Ihr wisst, dass wir mit ganzem Herzen Notfallmediziner sind. Gerade in der aktuellen Krise ist das in Deutschland noch breit vertretene „Fachdenken“ in der Notfallmedizin nicht hilfreich und potentiell gefährlich. Lasst uns daher gemeinsam für einen Facharzt / eine Fachärztin für Notfallmedizin kämpfen!

Das gilt auch für alle Rettungsdienstler, die genervt sind von „das ist aber ein internistischer Sturz“ „eine Platzwunde UND Herzinfarkt??? Was machen wir da???“ und alle Pflegekräfte, die sich von Dienstarzt zu Dienstärztin telefonieren müssen, bis endlich entschieden ist, wer sich um den unklaren Schwindel oder die unklaren Bauchschmerzen kümmert… und überhaupt auch für alle Patientinnen und Patienten, die gerne jederzeit mit allen Notfällen gut behandelt werden möchten.

Unterschreibt bitte diese Petition: „Deutschland braucht Notfallmediziner!“ und verteilt sie auf Facebook, Twitter, Whatsapp, Instagram und alle anderen sozialen Medien!!

Freiwillige gegen Corona!

Uns steht eine historische Herausforderung bevor. Zahllose Menschen haben sich und ihre Kliniken, Notaufnahmen, Intensivstationen und Rettungsdienste in den letzten Wochen vorbereitet und kämpfen gegen das Virus.
Doch – diese Krise können wir nicht alleine bewältigen. Wir brauchen Hilfe!

Zahlreiche Kliniken und andere Einrichtungen / Organisationen suchen Freiwillige, um bei einer zu erwartenden dramatischen Eskalation zu helfen.

Eine ständig aktualisierte Liste mit Hilfegesuchen findet ihr auf einer schnell gebastelten Seite freiwillige-gegen-corona.de. Danke an die Twitter-Community für die vielen Hinweise und Links!!

Bitte helft uns, diese Liste weiter auszuweiten. Gemeinsam sind wir stark!!

#fightingcorona #freiwilligegegencorona

Welcher Zugang bei Reanimation?

Auf FOAM-RD stellt Jürgen Gollwitzer immer wieder spannende Themen vor. Diesmal hat er in seinem Post eine aktuelle Studie zu Reanimation vorgestellt.

Wir fanden den Post super und wollen ihn gerne mit euch teilen. Ausserdem wollen wir euch neben unseren Kommentaren auch kurz verraten, wie wir aktuell Reanimation betreiben und dazu in den nächsten Wochen kurz die einzelnen Spannungsfelder besprechen.

Weiterlesen „Welcher Zugang bei Reanimation?“

Notfallmedizin ist doch verrückt!

Die Notfallmedizin hat eine seltsame Sache an sich: Sie ist immer dann aufregend, herausfordernd und voller „cooler“ Interventionen, wenn ein Mensch sehr krank ist.

Das ist eigentlich etwas verrückt, wenn man mal ernsthaft darüber nachdenkt – aber jeder, der ehrlich ist weiß, dass man manchmal nur darauf wartet, dass wieder ein „richtig krasser Einsatz kommt“

Gleichzeitig hat die Notfallmedizin viele Unsicherheiten, wir haben oft wenige Informationen und müssten schnelle und oft drastische Entscheidungen treffen. Vor jeder invasiven Intervention haben wir die Frage im Hinterkopf: „Was, wenn ich falsch liege – wenn mein Eingriff unnötig ist und dem Patienten schadet oder schiefgeht?“

Simon Carley hat zu diesen Fragen einen genialen Vortrag auf englisch gehalten.

Auch, wenn das Video schon etwas älter ist – uns hat es inspiriert! 

Wir sind gespannt auf Rückmeldungen und hoffen, dass euch das Video genauso gut gefällt!

Nerdfallmedizin jetzt via Telegram!

Über 3700 Nerds waren zuletzt bei unserem Whatsapp-Service dabei. Jede Woche konnten wir so das neue Video und Notfallmedizin-Infos auch mobil an viele Notfallmedizin-Interessierte verteilen.

Leider ist es in Zukunft nicht mehr möglich, mehrere tausend Whatsapp-Nachrichten zu verschicken (mehr Infos zu den Gründen hier). Daher haben wir gegrübelt und in den letzten Tagen einen würdigen Ersatz geschaffen – einen wunderhübschen Telegram-Channel.

Das Abo ist einfach und komfortabel: Einfach auf t.me./telegram klicken und abonnieren. Und gerne weitersagen! 😉

Hier noch Infos zum Datenschutz und alle weitere Infos zu Telegram.

Wir machen bald Sommerpause – trotzdem nicht „EMPTY“ fühlen!

Es ist Sommer, es ist heiß und es ist Zeit für Erholung. Deswegen werden wir im August mal eine kurze Nerdfall-Video Pause machen und auch ihr könnt mal so richtig abschalten.
Für alle, die trotzdem immer informiert sein wollen – Facebook, Twitter und Instagram werden weiter mit aktuellen Posts versorgt!

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