NERDfall Nr. 17 – Teil 2: Stichverletzungen, Hämorrhagie & Co. – zu Gast: das MIC-Team

Die letzten Tage beschäftigten wir uns mit einem Einsatzbild, welches doch eigentlich ganz laut nach Load&Go schreit. Heißt: nicht viel Chichi und Abfahrt.
Aber nicht nur dieser Punkt wurde in der Diskussion forciert, nein durch unser künstliches Ziehen der wenigen dynamischen Einsatz-Minuten über Tage, kam auch einiges an anderweitigen konstruktiven Optimierungsvorschlägen zusammen.
Aber bevor wir uns diesen widmen kehren wir ersteinmal in die Fall-Szenerie zurück:

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Checkliste für harte Tage

Wir sind große Fans von Checklisten – besonders für kritische Situationen und wenn eine hohe mentale Belastung besteht.

Gerade in der aktuellen Situation sind wir seit beinahe zwei Jahren unter fast konstanter Anspannung. Immer wieder geraten wir bewusst oder unbewusst an unsere Grenzen und auch sonst eher „kleine“ Situationen bringen uns rasch aus dem Gleichgewicht.

Deshalb gibt es jetzt die Nerdfallmedizin-Checkliste für harte Tage!
Einfach ausdrucken, am Arbeitsplatz aufhängen (oder auf der Toilette, im Aufenthaltsraum oder oder oder…) und in schlechten Momenten durchlesen.

Viel Kraft für die kommenden Tage und Wochen – und den ein oder anderen ruhigen Moment während der Feiertage wünscht das ganze Nerdfallmedizin-Team.

PS: An dieser Stelle auch vielen Dank für die verständnisvollen Kolleg:innen in unseren Abteilungen und im Rettungsdienst, die auch unsere schlechten Momente kompensiert haben. U know who u are 😉

NERDfall Nr. 15 – Teil 2: Dissoziative Krampfanfälle – gar nicht so selten und häufig fehlinterpretiert

Nach einigen geradlinig eskalierenden, medikamentösen Therapievorchlägen, hat sich mit dem erhärtenden Verdacht eines dissoziativen Krampfanfalles dann doch der Beinahe-Konsens eines zurückhaltenden und beschützenden Vorgehens in der Diskussion abgebildet.
Nicht ohne Grund stand jedoch für einige bis zur absoluten Gewissheit die Steigerung von Antikonvulsiva bis hin zur Vollnarkose im Vordergrund.
Dass diese Therapie jedoch bei fehlender Indikation nicht nur zwecklos ist, sondern auch ernstzunehmende, gefährliche Risiken birgt und schlimmstenfalls weitere traumatisierende Erfahrungen schafft steht außer Frage – daher gibt’s diesmal zum Fall-Abschluss neben Krankheitsbild-Infos vor allem eine Übersicht über wegweisende Differenzierungsindikatoren – möglicherweise für den einen oder die andere helfend vereint durch „HAnKS PARESe“ 😉

Aber schauen wir zunächst, wie unser Team die Situation gelöst hat:

[Wer Teil 1 verpasst haben sollte, kann sich hier einen Überblick über den ersten Teil des Falls verschaffen.]

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Hilfe für uns – EMPTY und Red Flags

Wenn wir – die Helferinnen/Helfer – selbst mal Hilfe brauchen oder wenn wir belastende Ereignisse mit Außenstehenden besprechen möchten – dann gibt es leider in vielen Kliniken kaum Hilfe. Wir sprechen mit Isabel Lück von den jungen Notfallmedizinern (Young DGINA) über das Projekt EMPTY und wie wir bei unseren Kolleginnen und Kollegen „Red Flags“ erkennen, die anzeigen können, dass wir Hilfe anbieten sollten.

Gerade in Zeiten der rapide steigender Burn-Outs und dem hohen Stresslevel in der Notfallmedizin ein extrem wichtiges Thema!

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Einsatznachsorge – Gemeinsam sind wir stark!

Nicht nur unsere Patienten und deren Angehörige erleben in Einsätzen furchtbare Dinge, auch uns lässt so manche Situation nicht kalt und mancher Einsatz lässt einen noch lange schwer Schlucken.

Je nach Ausbildungsstand, Vorerfahrung und Persönlichkeit empfinden wir unterschiedliche Einsätze als unterschiedlich belastend. Meistens hilft es aber, wenn wir uns nach dem Erlebten gemeinsam kurz über die Eindrücke unterhalten und zulassen, dass eine emotionale Reaktion vollkommen normal ist.

Wir haben mit Kristina Schmidt über die Grundlagen der Einsatznachsorge gesprochen und einige wertvolle Tipps bekommen:

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Rückblick auf die Nerdwoche Nr. 47

Langsam finden im Hintergrund Planungen für kommende Projekte statt – wir wollen noch nichts verraten aber sind fleißig an der Arbeit. Aber weg von Geheimnissen hin zu harten Fakten:

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Rückblick auf die Nerdwoche Nr. 42

 

Es stürmt in Deutschland, aber wir liefern weiter interessante Quellen. Übrigens suchen wir immer nach deutschen Quellen, aber oft gibt das englische Ausland einfach mehr her und die Posts verweisen auf englische Links.

Hier ist die Zusammenfassung der letzten Woche:

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Umgang mit den eigenen Ressourcen – Grüne Kügelchen mit Daniel Marx

„Wieviele grüne Kügelchen habt ihr heute?“ – wenn ihr mit dieser Frage nichts anfangen könnt, dann ist der folgende Beitrag genau richtig für euch! Daniel Marx erklärt uns, wieso man die eigenen Ressourcen kennen sollte und wie man auch an schlechten Tagen im Team sicher arbeitet.

Daniels Konzepte für Team Ressource Management (TRM) werden in seinen Faktor-Mensch Kursen wirklich toll aufbereitet – es ist uns eine große Ehre, dass er immer wieder bei Nerdfallmedizin zu Gast ist. Wenn ihr mehr zu diesem Thema wissen wollt, dann solltet ihr unbedingt die Kurse oder das Skript von FaktorMens.ch anschauen! Anbei sind auch Daniels frühere Beiträge und seine Website verlinkt.

Komplexe Situationen

Das Bauchgefühl

Faktor-Mensch

Beat the Stress, Fool! – Handeln in Stresssituationen

Was hat der berühmte Mr. T aus dem A-Team mit Stress zu tun? Philipp erklärt euch eine geniale Taktik, um mit dramatischen Situationen umzugehen – BEAT THE STRESS, FOOL!

Beat the Stress Fool steht für  Breath, Talk, See, Focus  – vier Taktiken bzw. Techniken für die akute Stresssituation.

Notfallmedizin ist geprägt von schnellen Entscheidungen und weitreichenden Konsequenzen. Stress ist ein ständiger Wegbegleiter und muss rechtzeitig erkannt und bekämpft werden.

Doch warum entsteht Stress eigentlich? 

Stress beschreibt die Dysbalance zwischen (erlebten) Ressourcen und geforderten Aufgaben.

Dabei gelten folgende Kriterien einer Situation laut Eberspächer als besonders stressauslösend:

  • hohe Bedeutsamkeit
  • nicht-Wiederholbarkeit
  • Konsequenzen bei Misserfolg
  • hohe Anforderungen
  • Zeitdruck
  • ungewisser Ausgang

All diese Kriterien sind Wegbegleiter des Notfallmediziners und lassen bereits erkennen, dass wir einem hohen Risiko durch Stress ausgesetzt sind.

Stress kann dabei akut über uns hereinbrechen, etwa mit der Ankunft eines hoch instabilen Patienten. Ebenso kann aber auch im Laufe einer Schicht die Belastung zunehmend kummulieren und sich so das Stresslevel unbewusst immer weiter erhöhen.

Die Effekte sind dabei gleich, kognitive Kapazität wird gebunden, die Entscheidungsfähigkeit wird eingeschränkt und motorische Fähigkeiten beeinträchtigt.

Der Umgang mit Stress ist daher essentiell für die Handlungsfähigkeit in zeitkritischen Situationen.

Von Lauria wurden im Mnemonik „Beat the Stress, Fool!“ vier Möglichkeiten der Stressbewältigung festgehalten. (http://dx.doi.org/10.1016/j.annemergmed.2017.03.018)

Breathing

„Tactical Breathing“ sollte allen Fans von Scott Weingart wohl bekannt sein – gemeint ist die kontrollierte Atmung. Atmung ist als einziges Vegetativum bewusst steuerbar und kann durch bewusste Steuerung unsere Sympatikusaktivität senken.

Zusammenfassen kann man diese Technik schnell:

je 4 Sekunden Einatmen, Luft anhalten, Ausatmen, Luftanhalten… insgesamt pro Zyklus (also 16 Sekunden) Atemübung die idealerweise 3 Mal wiederholt werden sollte.

Hierdurch können wir uns in Stresssituationen bewusst bremsen und wieder auf einen gesunden Stresspegel herabregulieren.

Talk

Selbstgespräche führt jeder. Durch Selbstgespräche können wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Reaktion auf Situationen bewusst beeinflussen. Hierbei sollten einige Grundregeln beachtet werden:

  • sei kurz und präzise
  • sei freundlich
  • sei positiv
  • wiederhole deine Leitsätze

Ein geeigneter Satz wäre beispielsweise: „Ich bleibe ruhig, denn ich kann das!“. Das kann man z.B. auf der Toilette machen, wenn ein kritischer Patient angekündigt ist oder auch auf Anfahrt.

Diese triviale Methode sollte unbedingt eingeübt werden. Nur wenn unsere Leitsätze häufig wiederholt werden, entwickeln sie eine entsprechende Wirksamkeit.

See

Mentale Mindmaps können uns helfen, Situationen im Kopf durchzuspielen. Hierbei kann man von einer Form „mentaler Simulation“ sprechen.

Um diese Übung effektiv zu gestallten sollten nicht nur fachliche Faktoren im Kopf durchgespielt werden. Insbesondere müssen die eigenen Gefühle, die Örtlichkeit und Orientierung im Raum, eigene Bewegungen, das eigene Blickfeld, und motorischen Handlungen bewusst visualisiert werden. Durch häufige Wiederholung können wir auf diese Weise auch seltene Situationen im Kopf erleben und uns auf den Ernstfall vorbereiten.

Focus

Triggerworte können uns im Stress helfen, wieder auf den richtigen Pfad zu gelangen. Ideal geeignet ist beispielsweise: „ABCDE“

Sind wir in einer Situation überfordert und wissen nicht mehr weiter, können wir uns durch ein Trigger-Wort wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Einen Schritt aus der Situation in die Beobachterrolle können wir kurzfristig unser Tun hinterfragen und uns neu strukturieren.

Fazit

Zusammengefasst sind die vier vorgestellten Techniken wertvolle Tools zum Umgang mit Stress. Diese müssen jedoch eingeübt und gepflegt werden.

Abschließend kann die Relevanz eines achtsamen Umgangs mit unseren Ressourcen nicht ausreichend betont werden. Stress begleitet uns und kann gesundheitlichen Schaden hervorrufen.

Daher nicht zögern und mit dem Training beginnen! „Beat the Stress, Fool!“

Lust auf mehr? First10EM hat genial die Auswirkungen von Stress und Lösungsmöglichkeiten zusammengefasst.

Auch die Kollegen von wAINS-world haben dieses Thema schon mal besprochen.

Orginalarbeit von Lauria et al:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28460863