COVID: Triage bei Ressourcenknappheit?

Im aktuellen PINcast besprechen Tobias Becker und Dorothea Hempel das kritische Thema „Triage“ angesichts der COVID-19 Krise direkt und praxisnah. Dazu gehört auch die Frage: „Was sagst du zu Angehörigen, wenn die Entscheidung getroffen wurde, jemanden NICHT intensivmedizinisch zu behandeln?

Die 36 Minuten des Podcasts sind für alle kostenlos und wir empfehlen euch allen dringend, die anzuhören. Es lohnt sich!! (Link direkt zum Podcast).

Kurz-Fazit: Triage bei Ressourcenknappheit:

  1. Ist der Patient / die Patientin intensivpflichtig?
  2. Besteht eine realistische Erfolgsaussicht?
    Hinweise für schlechte Erfolgsaussichten – dazu zählt explizit NICHT das kalendarische Alter!
    • Aktuelle Erkrankung (Schweregrad), begleitendes akutes Organversagen
    • Komorbiditäten z.B. chronisches Organversagen z.B. Dialysepflichtigkeit, schwere chronische Herzinsuffizienz, fortgeschrittene Lungenerkrankung, Leberversagen; schwere generalisierte neurologische / neuromuskuläre Erkrankungen, fortgeschrittene Krebserkrankung, Multimorbidität)
    • Allgemeiner Gesundheitsstatus (Gebrechlichkeit)
  3. Was ist der Patientenwille?
Flowchart nach DIVI, DGINA et al. – aktualisierte Version vom 23.04.2020 (Downloadlink unten)
  • Vorbereitung (!) und Ausarbeitung von klaren Klinik-Internen Protokollen.
  • Entscheidungen immer auf mehrere Schultern verteilen.
  • Fälle und Entscheidungen regelmäßig im Team besprechen! Seelsorge oder Psychologie engmaschige einbinden!
  • Ehrliche und transparente Kommunikation mit Angehörigen und den Patienten, verweisen auf bestehende Leitlinien und Regelwerke.

Eine sehr gute Zusammenfassung bietet die Publikation „Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfallund der Intensivmedizin im Kontext der COVID-19-Pandemie. Klinisch-ethische Empfehlungen“ der DIVI, DGINA und weiteren Fachgesellschaften vom 25.03.2020 – diese wurde am 23.4.2020 aktualisiert (Link: Download)

Und abschließend noch ein sehr guter Kommentar unserer Kollegen der PinUp Docs zum Thema ethische Entscheidungen in Zeiten von COVID-19.

Autor: Martin Fandler

I like EM, critical care, prehospital EM, medical education and #FOAMed too.

Ein Gedanke zu „COVID: Triage bei Ressourcenknappheit?“

  1. Absolute Gänsehaut.
    Eine Sache möchte ich dazu loswerden:
    Ich glaube es ist wichtig, dass die Angehörigen und sofern noch ansprechbar, die Patienten, darüber aufgeklärt werden, dass eine besondere Situation vorliegt und dass deshalb ggfs. die Therapie nicht optimal durchgeführt werden kann. Dass ggfs. die Therapie abgebrochen werden muss, weil die Aussicht auf Erfolg nicht mehr gegeben ist und andere Patienten mit besseren Chancen stattdessen behandelt werden müssen.
    Wenn man das vorher schonmal gehört hat, fällt die Verarbeitung im Nachhinein leichter.

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