NERDfall Nr. 26 – Verätzungen und Depressionen

Wow -was für ein Input zu diesem Fall! Vermutlich hat vor allem die Diskussion zu einem richtigen Mehrwert geführt und wir konnten alle eine Menge lernen. Jetzt kommt noch die Auflösung des Falls und ein paar Gedanken. Habt eine schöne, ruhige Vorweihnachtszeit – Kristin.

Teil 1 verpasst? Dann einmal hier lang 🙂

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Exazerbierte COPD – Was ist das und was tue ich?

COPD ist ein Dauerbrenner im Rettungsdienst und in der Notaufnahme. Wir haben hier versucht ein Grundsätzliches zur Therapie und zum Management zu erläutern und versuchen gleichzeitig mit ein paar Mythen aufzuräumen!

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Einsatzmanagement im Notarztdienst: Lifehacks für den Einsatz!

Neben der ganzen Medizin gibt es einen Faktor, der einen guten Einsatz zu einem tollen Einsatz werden lässt – ein richtig gutes Management.

Wir haben versucht unsere Erfahrungen aus den Einsätzen der vergangenen Jahre mal zu bündeln und haben dabei auch Tipps und Tricks der PinUps und von Rettungsdienst FM aufgenommen.

Wo bin ich, wer bist du und was tun wir hier eigentlich?

Bei jedem Dienstantritt lohnt sich ein kurzer Rundgang auf der Wache – kennt man alle Anwesenden (im Zweifel nochmal kurz vorstellen)?

Ein kurzer Wortwechsel mit dem/der Fahrer:in des NEF sollte einige wichtige Punkte umfassen:

  • Wie steht es um das allgemeine Befinden? (muss Rücksicht auf Rückenschmerzen, Pollenallergie etc. genommen werden; sind alle ausgeschlafen?)
  • Gibt es Neuigkeiten im Einsatzgebiet? (Veranstaltungen, Baustellen, Unwetterwarnung etc.)
  • Welche Kliniken können angefahren werden?
  • Gibt es Themen, die man nochmal kurz ab-/durchsprechen sollte? (Wir versuchen „Angstthemen“ wie Kinder-CPR, MANV oder Trauma-Reanimation immer mal wieder kurz durchzugehen)

Fahrzeugcheck:

Ein Fahrzeugcheck steht auch uns Notärzt:innen gut zu Gesicht, hier kann man sich mit der/dem Fahrer:in über neue/selten genutzte Medikamente und Materialien austauschen, nochmal selten genutzte Geräte ausprobieren und das Fahrzeug besser kennenlernen.

Einsatz:

Der Melder geht – schnell zum Auto und losfahren. Die Kilometerstände und das Fahrtenbuch (welches vor Weiterfahrt zum Folgeeinsatz schnell noch ausgefüllt wird) hat übrigens medizinisch wenig Relevanz… 😉

Anfahrt nutzen:

Insbesondere bei Einsatzstichworten, die einen aufwändigen Einsatz versprechen sollte kurz im Team das allgemeine Vorgehen abgestimmt werden:

  • Was muss insbesondere beachtet werden? (Eigenschutz, Wärmeerhalt, Sondermaterial)
  • Kurze Einsatzstrategie (Welche Medikamente bei Intubation, wann RTH bestellen, was soll vorbereitet werden bei Geburt etc.)
  • Kurz Rollen abstimmen
  • Bei Kindernotfällen Gewicht abschätzen und Dosierungen für potenziell notwendige Medikamente schonmal besprechen (ist einfach eine tolle Übung)

Am Einsatzort:

Kurzer Rundumblick:

  • Gibt es Gefahren?
  • Muss eine Rückmeldung auf Sicht an die ILS erfolgen?
  • Raumordnung für weitere Kräfte ok?

Auf dem Weg zum/zur Patient:in: Wie komme ich hier wieder raus??? (Gibt es einen Fahrstuhl, kann man mit dem Raupenstuhl die Treppe runter, könnte die Feuerwehr mit der Leiter helfen etc.)

Bei der/dem Patient:in:

Erste Einschätzung:

  • Akute Lebensgefahr erkennbar – dann laut an das Team kommunizieren und loslegen 😉
  • Ansonsten lohnt sich trotz Notfalleinsatz eine kurze Vorstellung und Erläuterung was jetzt passiert. (z.B.: „Guten Tag, ich bin der Notarzt und mit mir ist ein Team vom Rettungsdienst hier um Ihnen zu helfen. Während ich Ihnen gleich ein paar Fragen Stelle, werden die Kolleg:innen schonmal Kabel an Ihnen befestigen und ein paar Werte messen!“) – Bis auf Reanimationen oder Periarrest/Koma ist Variante 2 (Vorstellung und kurze Erklärung) meistens möglich

Erneut lohnt sich nach initialer Stabilisierung bzw. Vorstellung ein kurzer Rundumblick (Versorgungssituation, medizinische Geräte wie Sauerstoff, Heimbeatmung etc.) – wenn genug Ressourcen vorhanden sind, kann das auch super delegiert werden.

Interventionen/Therapie:

Grundsätzlich lohnt sich im Rettungsdienst der Blick auf das Wesentliche – unnötige Therapieversuche und Interventionen können immer mit ungeplanten Komplikationen einhergehen.

Wo therapiere ich?

  • Muss die Intubation/NIV bzw. die Blutdruckmedikation etc. jetzt erfolgen, oder gelingt eine schnelle Rettung und Therapie im vorbereiteten RTW?
  • Kennt jeder seine Rolle? (IMMER 10for10, klare Rollen und Verantwortlichkeiten verteilen)

Behalte das Ziel im Blick!

  • Frühzeitig Transport vorbereiten lassen!
  • Transportziel abklären und vorinformieren!
  • Vor der Abfahrt bei relevant Erkrankten immer Telefonat mit aufnehmender Klinik!

Was nehme ich mit?

Wenn die Zeit bleibt, ist jede Notaufnahme über Vorbefunde/-Briefe sowie ggf. eine Telefonnummer von Angehörigen dankbar. Auch Hörgeräte und Sehhilfen sowie ein Handy und vllt. ein paar Euro für das Taxi nach Hause sowie Schuhe sollten immer mitgenommen werden – wenn möglich.

Schatz, wie war ich?

Nach aufregenden, anstrengenden oder schwierigen Einsätzen immer nachbesprechen!

Insbesondere bei Einsätzen, die nicht gut liefen oder unklar waren in der aufnehmenden Klinik nachfragen. „Schlimmer als jemand, der sich irrt ist jemand der sich irrt ohne es zu bemerken!“.

Das größte Problem am Notarzt-/Rettungsdienst ist der fehlende Blick auf den weiteren Verlauf. Wir können nur dann lernen, wenn wir Fehler oder Optimierungspotential auch erkennen – hier wären Klinikkooperationen natürlich toll.

Was sind eure Tipps und Tricks? Wir sind total gespannt und haben hier nur ein paar der aus unserer Sicht wichtigsten Faktoren für einen guten Einsatz aufgelistet! Also gerne Kommentare! 🙂

EKG-Quickie: Achtung bei Killer-Bs!  🐝

Achtung vor den „Killer-Bs“!🐝 Im neuen EKG-Quickie mit Klaus Fessele geht es aber nicht um süße Bienchen, sondern um Zeichen, die auf eine bedrohliche Hyperkaliämie hindeuten können. Und wenn wir wissen, dass eine Hyperkaliämie existiert zeigt das Auftreten einzelner oder gar mehrerer „Killer-Bs“, dass wir jetzt sofort handeln müssen!

Die Killer-Bs

  • Bradykardie
  • Block (z.B. AV-Block, ggf. mit Ersatzrhythmus)
  • Breite Kammerkomplexe
  • Bizzarre Konfiguration

Bei Auftreten von „Killer-Bs“ sollte unbedingt eine Hyperkaliämie in Betracht gezogen werden.

Eines der frühesten Zeichen einer Hyperkaliämie können insbesondere erhöhte T-Wellen sein. Erhöhte T-Wellen können auch als hyperakute T-Wellen in der Frühphase eines akuten Myokardinfarkts auftreten. Ganz formale Unterscheidungskriterien gibt es nicht, aber tendentiell werden Hyperkaliämie-T-Wellen als „gleichschenkelig“ beschrieben (danke für den Hinweis an Manfred!). Hier gibt es noch einen Artikel zu STEMI-Mimics inkl. spitzen T-Wellen bei Hyperkaliämie (open access).

Szenarien

Passende Klinik + Killer-Bs (aber Hyperkaliämie noch nicht bekannt)
→ An Hyperkaliämie denken, wenn keine Messung verfügbar (z.B. prähospital ohne BGA): Kalkulierte Therapie mit Calcium i.v. erwägen.

Killer-Bs 🐝 bei Hyperkaliämie
→ Sofortige Therapie! Je mehr Killer-Bs, desto schlechter das potentielle Outcome. Sofort Calcium i.v. (z.B. 30ml Calciumgluconat 10% als Kurzinfusion über mind. 5 Minuten), dann je nach Zustand / Situation weitere Kaliumsenkende Maßnahmen bis hin zu Akut-Dialyse.

ERC Hyperkaliämie Algorithmus 2021 (Quelle: European Resuscitation Council 2021; Resuscitation – in Press https://cprguidelines.eu)


Weiterführende Artikel

Nerdfallmedizin:

Dann gibt es noch einen sehr schönen Artikel und Podcast zu kaliumsenkenden Maßnahmen bei den PinUp-Docs.

EKG-Quickie: Schrittmacher!

Schrittmacher im EKG können schnell verwirrend sein – was sollen die „Spikes“ und welche Hinweise auf eine Schrittmacherfehlerfunktion gibt es? 

Wie immer fantastisch aufbereitet von unserem Dr. Klaus Fessele!

Vorgehen bei Patient:innen mit Schrittmacher:

  • Schrittmachererkennung im Monitor aktivieren (wenn nicht automatisch an)
  • Zweite Monitoring-Modalität (z.B. gute Pulsoxymetrie)

Schrittmacher-EKG fokussiert + strukturiert anschauen:

  • Spikes vorhanden?
  • QRS nach Spike? (und auch Auswurf = z.B. Pulsoxy-Kurve oder getasteter Puls)
  • Spikes „korrekt“? (zum richtigen Zeitpunkt)

Hier gibt’s von uns mehr zur Schrittmachertherapie im Notfall – dem transkutanen Pacing.

Mehr EKG-Videos mit Klaus:

Perikardpunktion „LIVE“: Durchführung

Ihr erinnert euch an das Video zur Perikardpunktion von letzter Woche? Jetzt gibt es eine ECHTE Perikardpunktion, die Christian für euch Schritt für Schritt erklärt und dabei all seine Tipps und Tricks aus langjähriger Erfahrung verrät (quasi live…).

Die gesamten Shownotes zur Perikardpunktion gibt es hier.

Rettet die Notaufnahmen!

Wir alle in der Notfallmedizin erleben momentan eine extrem schwierige Zeit: Ob als Notaufnahme-Personal inmitten von dauerhaft überfüllten Notaufnahmen, als Rettungsdienst und Notärzt:innen, die mit immer mehr Abmeldungen zu kämpfen haben – oder ganz einfach auch als Patient oder Patientin..

Die Lage der Notaufnahmen ist dramatisch, die maximale Unterfinanzierung und zunehmende Belastung in jedem Dienst führt zu dringendem Personalmangel, der Personalmangel führt zu… zunehmender Belastung.

Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen!
Unterstütze jetzt die Petition der Notaufnahmen!

Neben der Initiative „Notaufnahme Retten“ sind viele Organisationen mit dabei, u.a. die Deutsche Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA).

Auf Nerdfallmedizin halten wir uns (berufs)politisch sonst sehr zurück. Die Lage, die wir momentan täglich erleben ist allerdings dramatisch. Daher unsere Bitte: Unterstütze die Notaufnahmen für unser aller Wohl und teile diese Petition!

Notfallkoniotomie: Der chirurgische Atemweg

Die Notfallkoniotomie oder cool auf Englisch „Emergency front of neck access“ (eFONA) ist die letzte Rettung in ausweglosen Atemwegsituationen.

Notfallmediziner:innen sollten sich auch mit dieser seltenen Maßnahme beschäftigen und diese nach Möglichkeit auch trainieren. Wir haben mit dem Experten Dr. Peter Uhlig gesprochen und präsentieren euch in zwei Videos viele Details und Tipps aus der Praxis. Dann noch etwas Feines: Dr. Christoph Hüser von ToxDocs hat einen kostengünstigen Airway-Trainer gebaut, uns die Bauanleitung zur Verfügung gestellt und mit Philipp über einige pragmatische Aspekte in der Notaufnahme gesprochen.

Video Teil 1: Notfallkoniotomie Basics
Video Teil 2: Konkrete Durchführung in der Praxis
Video Teil 3: Selbstbau-Trainer und praktische Aspekte
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Zeit für Streik!

In den letzten zwei Jahren haben wir alle im Gesundheitswesen und insbesondere im Bereich der Notfall- und Intensivmedizin großen Einsatz gezeigt. Gleichzeitig sind die Arbeitsbedingungen und Belastungen aktuell aber so schlecht wie noch nie.

Im Trubel der dramatischen nationalen und internationalen Entwicklungen ist fast untergegangen, dass in den letzten Monaten über den neuen Tarifvertrag der Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Häusern verhandelt wurde (an dem sich viele andere Tarifverträge z.B. von privaten Häusern, Unikliniken und Konzernen orientieren!). Das Tarifangebot war ein Schlag in das Gesicht von Ärztinnen und Ärzten (de facto Gehaltskürzungen, noch mehr Dienste, Wochenendarbeit etc.). Nicht ohne Grund kündigen Kolleg:innen links und rechts, viele weitere überlegen zu kündigen oder die Medizin ganz zu verlassen.

Das können und dürfen wir nicht zulassen!

Wir unterstützen daher den Aufruf des Marburger Bundes zum Warnstreik am 31.3.2022.

Nur gemeinsam können wir für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen!

Mehr Informationen gibt es beim Marburger Bund.

PS: Wir als Nerdfallmedizin äußern uns nur sehr selten berufspolitisch. In der aktuellen Zeit sehen wir aber, wie viele Kolleginnen und Kollegen aus allen Berufsgruppen (und wir selbst) erschöpft und von dem Agieren einiger Arbeitgeber und der Politik demoralisiert sind. Für uns gilt: Wir sitzen alle im selben Boot und können nur gemeinsam bessere Arbeitsbedingungen erreichen. Wir lassen uns unseren tollen Beruf nicht kaputtmachen!