Perfusoren in der Notfallmedizin

„Richte mir den Nor-Perfusor!“ – „Ok, in welcher Dosierung und mit welcher Laufrate?“ – „Ähh, nach Standard?!“

Perfusoren sorgen immer wieder für Verwirrung, es existieren verschiedene Standards und es mangelt dank seltenem Einsatz manchmal an Übung – wir haben uns daher in dieser Woche mit dem Thema auseinandergesetzt!

Basics

Perfusoren sind Spritzenpumpen, die üblicherweise mit 50ml Spritzen bestückt werden und dann eine fixe „Laufrate“ abgeben (ml/min).

Notwendig sind Perfusoren daher beim Einsatz von hochpotenten Medikamenten mit kurzer Halbwertszeit. In der Notfallmedizin werden daher meist Narkosemedikamente und Katecholamine über den Perfusor appliziert. In der Intensivmedizin ist der Einsatz von Perfusoren weiter verbreitet und es wird fast nichts ohne fixe Laufrate verabreicht.

Einstellungen

Bei Perfusoren gibt es immer 2 Dinge zum Einstellen:

  • Laufrate (ml/min) kann eingestellt werden, abhängig vom Gerätehersteller muss meistens die neue Laufrate bestätigt werden
  • Bolus – hier kann man einige ml als Bolus verabreichen, dabei gibt es meist zwei Möglichkeiten. Entweder man bestimmt vorher das Bolusvolumen und der Perfusor gibt es nach Bestätigung ab, oder während Tastendruck gibt der Perfusor einen Bolus ab und zeigt die Bolusmenge an

Dosierung / Besonderheiten

Dosierung:

Insbesondere Katecholamine müssen verdünnt in der Perfusorspritze aufgezogen werden. Üblich in der Notfallmedizin sind dabei bei z.B. Noradrenalin z.B. 5mg/50ml also 0,1mg/ml oder 1mg/50ml also 0,02mg/ml. Die eingestellte Laufrate des Perfusors hängt von der gewünschten Dosierung pro Stunde und der verwendeten Konzentration des Medikaments ab.

Die Laufrate bestimmt natürlich auch die Dauer, bis die Perfusorspritze leer ist. Damit auf der Intensivstation nicht ständig die Perfusorspritzen gewechselt werden müssen, sind hier geringe Laufraten mit höheren Konzentrationen gut geeignet.

In der Notfallmedizin sind die Umgebungsbedingungen meist ungünstig, daher muss die Medikamentengabe möglichst sicher sein. Hier eignen sich niedrige Konzentrationen und hohe Laufraten – ein unbeabsichtigter Bolus ist dann nicht so dramatisch. Da wir Notfallmediziner Patienten aber selten über Stunden behandeln, fällt der Wechsel von Perfusorspritzen nicht so ins Gewicht.

Insgesamt ist aber wichtig, dass in einer Abteilung und in einer Organisation ein einheitlicher Standard verwendet wird um Missverständnisse zu vermeiden.

Rechenbeispiele: Noradrenalin Perfusor soll mit 0,5mg/h laufen:

0,1mg/ml x 5ml/h = 0,5mg/h – bei 5mg/50ml Verdünnung ist die Laufrate also 5ml/h um 0,5mg/h Noradrenalin zu applizieren. Die Perfusorspritze reicht dann für 10h.

0,02mg/ml x 25ml/h = 0,5mg/h – bei 1mg/50ml Verdünnung ist die Laufrate also 25ml/h um 0,5mg/h Noradrenalin zu applizieren. Die Perfusorspritze reicht dann für 2h.

Trägerlösung:

Da bei einer geringen Laufrate (zb. 1-2ml/h) das Medikament am ende der Perfusorleitung erstmal in die Kanüle etc. laufen muss, brauchen die Medikamente teils lange, bis sie wirken. Daher eignet sich bei geringen Laufraten eine Trägerlösung, die über einen Dreiwegehahn das Medikament einschwemmt.

Besonders wichtig bei der Trägerlösgung ist das Verwenden eines Rückschlagventils und eine kontinuierliche Flussmenge über Tropfenzähler. Aus diesem Grund sind Trägerlösungen im Rettungsdienst oft schwer umsetzbar. Präklinisch eignet sich eine hohe Laufrate am Perfusor und eher der Verzicht auf eine Trägerlösung um Applikationsfehler zu vermeiden.

Dosierungen:

Hier die aus empfohlenen Verdünnungen und Dosierungen für Propofol und Noradrenalinperfusor.
Zu finden auch auf unseren Taschenkarten

Verschiedene Perfusoren:

Kreislauf, Katecholamine u.a.

Noradrenalin 0,5mg/h || 1mg/50ml (=20µg/ml) -> Laufrate 25ml/h

Adrenalin 0,2mg/h || 1mg/50ml (=20µg/ml) -> Laufrate 10ml/h

Dobutamin 20-40mg/h || 250mg/50ml (5mg/ml) -> Laufrate 4-8ml/h
(Achtung: Vasodilatation! Noradrenalin parallel geben)

Narkose, Sedierung u.a.

Propofol 1% 200-300mg/h || 500ml/ml (=10mg/ml) -> Laufrate: 20-30ml/h

Sufentanil 40-120µg/h || 1mg/50ml (20µg/ml) -> Laufrate 2-6ml/h

Ketamin 100-200mg/h || 2500mg/50ml (50mg/ml) -> Laufrate 2-4ml/h
CAVE: Hier Ketamin, nicht Esketamin!

Midazolam 2-10mg/h || 50mg/50ml (1mg/ml) -> Laufrate 2-10ml/h

Antihypertensiva u.a.

Urapidil 10-30mg/h || 150mg/50ml (3mg/ml) -> Laufrate 3-10ml/h

Nitroglycerin 2-5mg/h || 50mg/50ml (1mg/ml) -> Laufrate 2-5ml/h

Clonidin 30-90µg/h || 0,75mg/50ml (15µg/ml) -> Laufrate 2-6ml/h

Reproterol 90µg/h für 3-4 Tage || 450µg/50ml (9µg/ml)  -> Laufrate 10ml/h 

Alle Dosierungsangaben ohne Gewähr. Dosierungen der Sedativa zur Narkoseaufrechterhaltung, meiste Dosierungen als „Startdosierung“ -> höhere Dosierungen können notwendig sein. Unbedingt Hausstandards beachten (auch in unseren Häusern teilsweise abweichende Dosierungen!) Alle genannten Medikamente sind nur durch erfahrene Anwender unter Monitoring anzuwenden!

Autor: gophilipp

Ich bin begeisterter Notfallmediziner aus Nürnberg. Ich arbeite in der Notaufnahme und als Notarzt sowie ärztlicher Dozent und versuche mich mit Nerdfallmedizin an der FOAMed Welt zu beteiligen.

8 Kommentare zu „Perfusoren in der Notfallmedizin“

  1. Persönlich finde ich, die Notfall Mischung….
    3mg/3ml NORadrenalin plus 47ml NaCl0.9%
    60yg/ml
    1ml/h = 1yg /kg/KG/min
    0.1ml/ = 0.1yg /kg /KG/min

    Also 80Kg Pat.
    0.1yg kg KG min =8ml /h

  2. Schöne Übersicht, vielen Dank dafür.

    Eine Frage: Sollte es hier:
    „0,02mg/ml x 25ml/h = 0,5mg/h – bei 1mg/50ml Verdünnung ist die Laufrate also 25mg/h um 0,5mg/h Noradrenalin zu applizieren. Die Perfusorspritze reicht dann für 2h.“
    nicht „Laufrate also 25ml/h“ (Milliliter statt Milligramm) heißen?

  3. Hallo, schönes Video – danke!

    Andere gute Dosierung v.a. bei den Katecholaminen Adrenalin und Noradrenalin:

    3 mg Wirkstoff/50 ml =
    3000 mcg / 50 ml =
    60 mcg / 1 ml

    Damit wird bei einer Laufrate von 1 ml/h exakt 1 mcg Wirkstoff/min verabreicht.

    Beste Grüsse nach Nürnberg!

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